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Der Tod ihres Mannes war für Ulrike aus Stuttgart und ihre Familie ein schwerer Verlust. Gemeinsam versuchen sie die Lücke, die er hinterließ, zu verarbeiten. Doch für Ulrike war schnell klar, sie will in dieser Situation für ihre Kinder da sein.

Dauer

„Wir waren 25 Jahre verheiratet. Wir waren ein Herz und eine Seele. Jeden Tag.“

Ulrike, 50, Waldorfpädagogin

So beschreibt Ulrike die Beziehung zu ihrem Mann Philipp. Doch kurz vor seinem 50. Geburtstag verstarb Philipp nach einer Krebserkrankung.

Nebenwirkung der Chemo

„Es ging ziemlich schnell, und obwohl man uns versichert hatte, dass der Krebs gut behandelbar sei, gab es eine Nebenwirkung der Chemo. Ein Fall unter Hunderttausend. Und die war sein Tod. Wir standen eigentlich nur am Bett und haben zugeschaut. Und ihn begleitet. Es ging sehr schnell.“

Der Verlust eines Seelenverwandten schmerzt noch immer

Ulrike versucht nicht, ihre Tränen zu verbergen. „Philipp und ich waren nicht nur 25 Jahre verheiratet – es war eine Seelenverwandtschaft. Und ich glaube, das hat auch unsere Kinder geprägt. Auch wenn der Älteste schon aus dem Haus war: Jedes unserer Kinder hatte eine ganz besonders intensive Beziehung zu Philipp“, erklärt Ulrike.

In der Trauer für die Kinder da sein

Zeit für ihre eigene Trauer nahm sie sich kaum. „Der Schmerz über seinen Verlust wich ziemlich schnell der Erkenntnis: Ich muss jetzt für unsere Kinder da sein. Das ist meine Aufgabe. Es war keine leichte Zeit. Mit seinem Tod fiel ja auch das Geld weg, das er an der Waldorfschule verdient hat. Ich musste schauen, wie ich alles gleichzeitig hinbekomme: Geld verdienen und für die Kinder da sein.
Wir waren wochenlang zusammen zu Hause.

„Freunde haben für uns gesorgt, waren einfach da, haben gekocht, sich gekümmert. Und wir hatten Zeit für uns und unsere Traurigkeit.“

Wir haben Stunden, Tage und Nächte mit reden verbracht, zuhören, erinnern. Das tun wir heute noch, obwohl Philipp schon einige Jahre tot ist.“

Die ganze Familie brachte gemeinsam Philipps Asche zurück nach Schottland, an den Ort seiner Kindheit. Seine Asche liegt heute zwischen seinem Vater und seiner Mutter, auf dem kleinen Friedhof der Kirche, in deren Nähe er schon als Kind gespielt hatte.

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