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Andrea und ihre Freundin Silke starten immer wieder Kunstaktionen in Waiblingen. Letzten Sommer haben sie ein Fundbüro für 'Nicht-Dinge' eröffnet.

Dauer

„Ein Verlust ist nicht unbedingt etwas Blödes: wenn man zum Beispiel seine Wut oder seine Traurigkeit verliert.“

Andrea, 57, hat ein Fundbüro für "Nicht-Dinge" initiiert

Andrea startete mit ihrer Freundin Silke eine Kunstaktion in Waiblingen. Sie eröffneten ein Fundbüro für „Nicht-Dinge“.

Ein Köder Namens Erika

„Wir hatten auf dem Marktplatz einen roten Teppich ausgelegt und einen Holztisch aufgestellt. Auf dem stand ‘Erika‘, eine alte Schreibmaschine. Die Waiblinger konnten mit einem Fundbüro für „Nicht-Dinge“ erstmal gar nichts anfangen, aber sie waren an Erika interessiert. So sind wir ins Gespräch gekommen und dann fanden die meisten es ganz spannend.

Wirklich wertvolle Fundsachen

Wir hatten Formulare, da sollte man aufschreiben, was man gefunden oder verloren hat: Einer hat ein Lächeln auf dem Markt gefunden und uns dazu geschrieben, dass er ein eher schüchterner Mensch sei. Eine Frau, die schon vier Kinder hat, hatte geschrieben, sie hat die Spannkraft ihres Beckenbodens verloren. Es wurde auch die Liebe fürs Leben gefunden und eine Unschuld verloren. Auch Kinder haben mitgemacht. Ein mutiges Mädchen hat gesagt, es hat die Angst vor dem tiefen Wasser und ein Junge hat die Lust am Häkeln verloren. Er war aber zuversichtlich, diese wiederzufinden. Es gab ganz philosophische Gespräche.

Die Erkenntnis war oft: Eigentlich geht es ja bei den ‘Nicht-Dingen‘ um das Allerwichtigste.“

Die Idee dahinter

Interaktion und Austausch schaffen. Den beiden Waiblingerinnen ist es eine Herzensangelegenheit, ihre Stadt mitzugestalten und mit Aktionen wie dieser sollten sich die Menschen kennenlernen, die Tür an Tür wohnen. Das Ende der Aktion verlief dann doch anders als ursprünglich gedacht:

Dann kam alles anders

“Geplant war eine Lesung mit den Fundsachen, aber dann ist meine Schwester verstorben und es hat nicht mehr gepasst. Dann haben wir uns überlegt, dass wir ein Buch daraus machen. Ein einziges Exemplar, das schön gebunden ist, haben wir der Stadtbücherei Waiblingen übergeben. So hat jeder die Möglichkeit kostenfrei Einblick in dieses Buch zu bekommen. Wir wollten keinen Profit daraus ziehen. Das Buch haben Silke und ich unseren beiden verstorbenen Schwestern Ute und Nele gewidmet.“

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