Blind in Stuttgart - so meistert Bianka ihren Alltag

Dauer

Bianka ist seit ihrem dritten Lebensjahr blind. Doch wie empfindet man seine Heimat, wenn man nichts sehen kann? Wir haben Bianka einen Tag lang begleitet.

„Wenn ich sehen könnte, würde ich liebend gerne Motorradfahren lernen. Wenn ich bei Freunden hinten draufsitze, ist es für mich ein wahnsinnig tolles Gefühl von Freiheit."

Bianka, 48, Sozialarbeiterin aus Stuttgart

Stuttgart ist hilfsbereit

„Blinde Freunde, die aus Nürnberg nach Stuttgart kommen, sagen immer: ‚Die Leute sind hier aber aufmerksam und entgegenkommend.‘ Mir ist das aber erst in den letzten Jahren so aufgefallen. Früher haben mich die Leute manchmal sogar einfach gepackt und irgendwohin gezogen, wo sie dachten, dass ich hin will. Mittlerweile fragen die Leute eher, ob sie mir helfen können. Das ist eine sehr positive Entwicklung."

Stuttgart ist nicht immer sicher

"Wo sich dagegen gar nichts tut, ist das Thema Sicherheit beim S-Bahnsteig. Seit den Achtzigern stehen die schon in der Diskussion, da es überhaupt keine Markierungen für Sehbehinderte gibt."

„Wenn viele Leute unterwegs sind, ist es für uns Blinde wirklich gefährlich."

Ein Tag lang blind - SWR Heimat-Reporter Stefan im Selbstversuch

Problem: Jobsuche

„Was ich außerdem sehr bedauerlich finde, ist das Thema Jobsuche. Ich habe das Gefühl, dass immer noch viele Vorbehalte gegenüber Blinden existieren. Generell wird uns einfach sehr wenig zugetraut. Dabei haben doch Sehende genauso ihre Stärken und Schwächen. Ich würde mir wünschen, dass sich die Verantwortlichen in den Betrieben viel mehr damit beschäftigen, was der blinde Bewerber wirklich kann und wo er überhaupt Unterstützung bräuchte."

„Oftmals wäre es gar nicht so schwierig, die Voraussetzungen zu schaffen."

„Viele Firmen zahlen lieber einen Betrag an den Staat, um nicht einen Behinderten beschäftigen zu müssen, anstatt das Geld für ein paar kleine Voraussetzungen zu investieren.“