Schwester Mirjam und die schwerste Entscheidung ihres Lebens

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Schwester Mirjam und die schwerste Entscheidung ihres Lebens

Wegen ihres Gelübdes durfte Schwester Mirjam aus Stuttgart nie eigenen Kinder bekommen. Doch sie hat trotzdem eine Familie gefunden.

„Das war für mich die schwerste Entscheidung: die Vorstellung, ich werde keine eigenen Kinder heranwachsen sehen und auch keine eigenen Kinder erziehen können.“

Schwester Mirjam, 65, aus Stuttgart

Vor 36 Jahren ist Schwester Mirjam in den Franziskanerorden eingetreten. Wegen ihres Gelübdes darf sie keine eigenen Kinder bekommen. Im Heim St. Josef war sie aber dennoch für die Kinder wie eine Mutter.

„Vom Gefühl her sind sie wie meine eigenen Kinder. Es ist die gleiche intensive Beziehung."

Einen Jungen hat sie mit drei Wochen aus der Klinik geholt. Er blieb bis zu seinem Abitur bei ihr. Bis heute kommt er immer wieder montagabends zum Abendessen. Insgesamt waren es fünf Kinder, die Schwester Mirjam vom Kleinkindalter bis zum Erwachsenwerden betreut hat.

"So war es auf diese Weise ein sehr großes Geschenk, aber ich habe mir das nicht ausgesucht. Es kam mir wirklich vor wie ein Geschenk des lieben Gottes.“

Im Josefsheim ist sie mittlerweile die letzte Ordensschwester. Das Haus hat inzwischen einen anderen Träger. Die Franziskanerinnen hatten das Heim 1925 gegründet und sich auch gegenseitig unterstützt. Doch neben vielen schönen Erinnerungen gab es auch Schicksalsschläge zu verkraften:

„Ein Mädchen ist mit 16 Jahren gestorben. Sie war krebskrank. Es war eine harte Zeit."

Dieses Mädchen sein in der Pubertät gewesen und habe sich intensiv mit der Möglichkeit auseinandergesetzt, dass sie sterben könnte, erzählt Schwester Mirjam. "Gleichzeitig wollte sie nichts an sich ranlassen. Sie wollte leben. Aber wir waren immer ein gutes Team, haben es immer zusammen getragen und uns ausgetauscht.“

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