Der Wahrheit auf der Spur

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Vor Gericht soll es gerecht zugehen, sagt Robert aus Schwäbisch Hall, der seit 18 Jahren als Schöffe arbeitet. Und doch weiß er, dass dort viel gelogen wird.

„Im Prinzip habe ich schon ein positives Menschenbild, aber ich denke nicht, dass jeder gut ist.“

Robert, 63, ehrenamtlicher Schöffe

Robert ist Sozialwissenschaftler, hat unter anderem Psychologie studiert und als Sozialarbeiter gearbeitet. „Ich bin nicht davon überzeugt, dass jemand genetisch ein Krimineller ist. Das ist in der Regel gelernt oder den sozialen Umständen geschuldet. Aber zurechnen muss man die Taten dann schon den Leuten - denn letztendlich haben sie die Straftat begangen.“

In seiner Funktion als Schöffe am Amtsgericht in Schwäbisch Hall und am Landgericht in Stuttgart ist und war er immer der Wahrheit auf der Spur. Dabei hat für Robert eine Sache oberste Priorität:

„Der Respekt den Angeklagten gegenüber. Die haben ja auch Rechte, deswegen haben wir den Rechtsstaat.“

Genau hinhören, zwischen den Zeilen lesen, einschätzen: Ist das Weinen echt? „Am Ende muss die Wahrscheinlichkeit, dass jemand etwas begangen hat, größer sein als die Unwahrscheinlichkeit. Das ist ein Stück weit eine subjektive Gerechtigkeit, deswegen müssen mehrere Personen urteilen, dass die Vorwürfe des Staates auch zutreffen.“ Vor allem bei Vorfällen, die nur zwei Menschen betreffen, ist das aber besonders schwierig, sagt Robert: „Bei Vergewaltigungsvorwürfen in einer Beziehung beispielsweise, war ja niemand von uns dabei."

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"Da steht Aussage gegen Aussage. Man muss sich die Geschichten anhören und einschätzen: Wem glaubt man mehr und was gibt es für Indizien?“

Als Schöffe bekommt Robert sechs Euro Sitzungsgeld pro Stunde. Eine Tätigkeit, die nicht für jeden passt: „Jeder muss für sich selbst überlegen, ob er das durchhält. Denn wenn du jemanden zu drei Jahren Gefängnis verurteilst, dann sitzt er die im Zweifelsfall auch ab. Den Mut muss man schon haben.“