Sabine arbeitet in der Prostituiertenhilfe in Stuttgart

Für Sabine aus Stuttgart ist Prostitution eine Menschenrechtsverletzung.

Sabine arbeitet in der Prostituiertenhilfe in Stuttgart (Foto: SWR)

„Bezahlsex zerstört Leben. Wir müssen handeln. Wir müssen das beenden. Jedes geschlossene Bordell ist also ein gutes Bordell.“

Sabine, 58, Mitarbeiterin in der Prostituiertenhilfe

„Denn je weniger Plätze es gibt, an denen Frauen vermarktet werden können, desto weniger Frauen sind auf dem Markt. In Stuttgart haben wir eine Stadtverwaltung, die sich die Szene sehr genau anschaut und illegale Bordelle versucht zu schließen. Hier gibt es zudem nicht so eine organisierte Kriminalität wie in vielen anderen Städten.

Stuttgart ist eine soziale Stadt

Bei uns dominieren keine Banden und es gibt keinen Straßenstrich, den Banden unter sich aufgeteilt haben. Das hat damit zu tun, dass die Polizei hier sehr genau hinschaut. Im Vergleich zu anderen Städten geht es uns richtig gut. Stuttgart ist eine soziale Stadt, das schätze ich sehr.

Gerade in meinem Bereich, der Prostituiertenhilfe, gibt es keine Stadt in der Bundesrepublik, die da auch nur annähernd rankommt. Wir haben ein gut ausgebautes Hilfssystem für Frauen, die aus der Prostitution aussteigen möchten. Und das ist sehr wichtig und sehr notwendig. Nichtsdestotrotz gibt es auch hier Prostitution und es ist eine Pflicht darüber zu reden.

Das System Prostitution beenden

Ich arbeite seit 25 Jahre in der Prostituiertenhilfe und es geht eben nicht nur darum, Straßenstriche zu schließen und das Ganze in Häuser zu verlagern. Sondern es geht darum, dieses System zu beenden. Deutlich zu machen: Das ist Unrecht, was da geschieht. Das ist eine Menschenrechtsverletzung. Man muss einen gesellschaftlichen Konsens finden, der sagt, dass wir Prostitution in unserer Gesellschaft nicht haben wollen.

„Es ist schädlich sowohl für die einzelne Prostituierte, die da psychisch und physisch vernichtet wird, als auch für uns alle.“

Wir können nicht einerseits für die Gleichberechtigung von Mann und Frau kämpfen und andererseits zulassen, dass man in jeder Stadt für dreißig Euro eine arme Frau zur sexuellen Benutzung kaufen kann. Wenn unsere Kinder und Jugendlichen damit aufwachsen, dass man irgendwo hingehen und sich eine Frau kaufen kann, was für ein Frauenbild entwickeln sie denn dann? Wie lernen sie da miteinander umzugehen? Das ist wirklich ein starker Grund, den liberalisierten Umgang mit Prostitution zu beenden, finde ich.“

STAND