Radiolegende Matthias Holtmann sagt Parkinson den Kampf an

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Radiolegende Matthias Holtmann aus Gebersheim hat Parkinson. Eine Diagnose, die er erst einmal verdrängt hat. Heute sagt er: "Ich bin nicht unbesiegbar, aber ich bin ein Kämpfer."

„Parkinson ist eine Scheißdiagnose, um es mal salopp zu formulieren. Aber es gibt schlimmere Diagnosen. Viel schlimmere. Insofern hat man noch Glück gehabt.“

Matthias, 68, Radiolegende

Erst Muskelschmerzen und Koordinationsprobleme, dann 2009 die Diagnose: Parkinson. Matthias hat das erst mal verdrängt - aber es hat ihn eingeholt: "Du kannst die Krankheit ignorieren, aber sie ignoriert dich nicht.“

Nach der Diagnose fällt Matthias erst mal in ein schwarzes Loch. Er arbeitet noch einige Jahre beim SWR. „Mein Leben hat sich verändert. Aber nicht unbedingt zum Schlechten."

"Ich genieße die Tage anders und lebe intensiver."

Die Leute, sagt er, unterschätzten ihn auf jeden Fall. "Wenn sie einen sehen, denken sie: Um Gottes willen, den muss ich festhalten, der fällt ja gleich um. Tu ich aber nicht.“

Kämpferisch, tiefgründig und humorvoll – das war er auch vor der Diagnose. Ein Rückblick: Matthias studiert Keyboard und Schlagzeug an der Musikhochschule Köln. 1979 geht er zum Radio. Er wird Musikredakteur beim Süddeutschen Rundfunk Stuttgart. Dann Musikchef von SDR3, später SWR3. Am Mikrofon blüht er auf und gilt als Kultstimme im Südwesten. Er trifft alle Großen des Pop- und Rock-Business.

„Ich habe meine Karriere nie geplant. Das hat sich alles zufällig ergeben. Und das ist ein großes Glück.“ Und so nimmt er auch die Krankheit an:

„Zum Aufstehen muss man erst mal auf die Schnauze fallen."

Gefallen ist er nicht oft, aber: "Ich glaube, einer meiner Eigenschaften ist, dass ich mich alleine aus dem Dreck ziehen kann am Schopf. Insofern bin ich nicht unbesiegbar, aber ich bin ein Kämpfer.“ Matthias versucht, immer das Positive zu sehen:

„Eine Behinderung kann auch eine Bereicherung sein."

"Du merkst plötzlich wie sich ein Behinderter fühlt. Was du als gesunder Mensch gar nicht so mitkriegst, wenn einer im Rollstuhl fährt oder eine körperliche Behinderung hat. Das sehe ich jetzt mit anderen Augen. Das ist eine wertvolle Erfahrung. Ich könnte gut drauf verzichten, um das auch klarzustellen. Aber es gibt Dinge, auf die hast du keinen Einfluss.“