Ihre Stimme hat schon vielen geholfen: Margarete von der Telefonseelsorge

Dauer

Normalerweise hört sie zu. Jetzt hören wir zu, wenn Margarete von ihrer Arbeit als Telefonseelsorgerin erzählt.

„Wer Vorurteile hat, hat bei der Telefonseelsorge nichts zu suchen.“

Margarete, 71, Mitarbeiterin der Telefonseelsorge

Margarete las in der Zeitung von der Telefonseelsorge und meldete sich bei dem Büro in Stuttgart. Sie kam durch den strengen Auswahlprozess und ist jetzt seit 2007 dabei.

„Die Angst vom Anfang legt sich. Wo ich immer tief Luft holen muss, ist, wenn jemand anruft, der sagt: Ich hab‘ genug von diesem Scheiß-Leben, ich bring mich jetzt um.“

„Andererseits lerne ich immer wieder: Das ist das Leben dieses Anrufers oder der Anruferin. Der oder dem steht es zu, mit ihrem Leben zu machen, was sie für richtig halten. Da habe ich nicht das Recht zu sagen, das dürfen Sie nicht!“

Wertefrei zuhören

Margarete betont, dass sie bei der Telefonseelsorge weder therapieren noch Ratschläge geben. Ganz wertfrei hören sie allen zu: Menschen, die Missbrauch erlebt haben, süchtig sind oder sich selbst verletzen, genauso wie Kindern, die ihren Schlüssel vergessen haben. Es gibt auch Menschen, die jeden Tag anrufen, die von den Mitarbeiterinnen der Telefonseelsorge durch den Alltag begleitet werden. Vor allem an den Feiertagen wird die Nummer oft gewählt, erzählt Margarete.

„Etwas, das wir nie sagen: Das kenne ich auch!"

Das ist ein totales Tabu, weil mit diesem Satz nehmen wir dem anderen seine Geschichte, seine Empfindungen weg. Und wir wollen ganz beim anderen sein.“

Jeder Anruf anonym

"Wichtig ist: Jeder Anruf ist absolut anonym. Die Menschen können sich bei uns total öffnen. Wir wissen nicht, wo sie wohnen, wie alt sie sind, sie brauchen keine Namen zu sagen. Sie können ganz geschützt über alles reden, ohne dass etwas nach außen dringt.

Wenn allerdings jemand direkt um Hilfe bittet, dann helfen die Menschen am Hörer, so gut es geht.

Durchwahl der Telefonseelsorge: 0800 111 0 111.