Kioskbesitzer Micha zeigt Kunst im Schaufenster

Dauer

Michas Berufsweg führte vom Restaurantfachmann über alles Mögliche. Doch was immer spannend begann, war für den Stuttgarter bald unbefriedigend. Und dann kam „Michas Lädle“.

„Warum soll ich in meinem Schaufenster Schulhefte und das ganze Zeug zeigen?  Mit dem was ich mache, geb‘ ich lieber Denkanstöße – was auch schon mal nach hinten losgehen kann.“

Micha, 41, Kioskbesitzer

Kunst im Kiosk

„Da kam mal eine rein, die hat sich furchtbar über ein Kunstplakat aufgeregt. Es war ganz egal was ich sagen wollte, von wegen Kunstfreiheit. Die hat mir einfach verbal fünf verpasst und dann ist sie abgerauscht. So ist das mit der Kunst. Da muss man auch mal was einstecken können.”

Neben der Kunst im Schaufenster veranstaltet Micha auch unregelmäßige Vernissagen – ohne das übliche Kunstbrimborium. Dosenbier statt Sektempfang. „Ich seh' gern schöne Sachen, und ich will die anderen daran teilhaben lassen. Und ich hab' ein Schaufenster, also warum nicht da Kunst statt Schulhefte ausstellen. Da können sie reingucken, zahlen nix dafür – ist doch toll!“

Kiosk mit Lieferservice

Es kommt auch mal vor, dass Micha den Leuten was aus seinem Kiosk nach Hause bringt – wenn sie vielleicht krank sind oder sich einfach gerade nicht so gut bewegen können. „Klar. Macht man dann einfach.” Sein Laden ist ihm jeden Tag ein Antrieb:

„Es ist Spaß, ich hab‘ meine Freunde hier – mich kannte erst niemand, aber die Leute sind mir einfach entgegengekommen. Das zeichnet vielleicht auch das Viertel hier aus. Es ist ein Stück Geborgenheit, das ich von meinen Kunden bekomme, und sie auch von mir. Und damit ist der Laden auch irgendwie meine Heimat. ”

Man setzt sich raus auf das kleine Bänkchen, raucht zusammen, und erzählt von seinen Problemen. „Da wird's dann manchmal auch wirklich privat. Aber das ist das Schöne hier. Man kann auch von seinen Sorgen erzählen, der andere hört zu, fängt einen auf. Und beim nächsten Mal ist's vielleicht andersrum. Es ist immer ein Geben und Nehmen.” Micha lächelt. „Warum die Leute so gern zu mir kommen? Keine Ahnung – muss wohl an mir liegen.”

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