Fünf Tabu-Fragen an ein schwules Elternpaar

Dauer

Seit Oktober 2017 gilt die „Ehe für alle“. Schwule Eltern haben dennoch einen schweren Stand. Stefan und Johnny stellen sich fünf harte Fragen, die sich viele nicht trauen würden zu fragen.

„Mir war schon immer klar: Kinder gehören zu einer Familie dazu.“

Stefan, 40, Leiter einer Agentur für Personalmanagement aus Stuttgart


„Wir haben uns drei Jahre Zeit gelassen und uns alle Konsequenzen vor Augen geführt. Dann haben wir uns entschieden, diesen Weg zu gehen.“

Keine leichte Aufgabe

Stefan und Johnny haben über eine Agentur eine Leihmutter in den USA gefunden. Um Väter zu werden, haben sie einen sechsstelligen Betrag gezahlt. Denn Kinder zur Welt bringen, das soll in den USA nicht zum massentauglichen Geschäft werden. Stefan stellt klar: „Unsere Leihmutter hat es aber nicht wegen des Geldes gemacht. Von allem, was wir ausgeben mussten, hat die Leihmutter am wenigsten bekommen. Das ist speziell in Amerika aber genau so gewollt.“

Bei einem Deutschlandbesuch steht die Leihmutter Robyn unserem SWR-Team Rede und Antwort: „Ich arbeite seit 16 Jahren in einer gynäkologischen Praxis und habe viele Leihmütter kennengelernt. Ich wollte das auch machen! Die Eizellen stammen von einer anderen Frau und ich wollte Stefan und Johnny helfen. Es sind also nicht meine Kinder. Wenn ich ausrechne, was ich in neun Monaten verdient habe, sind das gerade mal drei bis vier Dollar die Stunde. Bei einem Job im Fastfood-Restaurant verdienst du mehr. Es geht nicht ums Geld, sondern um die Sache!“

Aufwachsen ohne Mutter?

Nachdem die Kinder in Los Angeles geboren wurden, haben Stefan und Johnny zurück in Deutschland schnell in ihre Vaterrolle gefunden. Stefan erinnert sich: „Natürlich haben wir uns die moralische Frage gestellt: Fehlt dem Kind eine Mutter? Es gibt aber so viele unterschiedliche Familienkonstellationen. Es gibt Paare, die auseinandergehen. Manchmal stirbt ein Partner. Wir wussten auch nicht, wie die Gesellschaft reagieren wird.“

„Aber die Stuttgarter sind sehr offen. Manchmal fragen Leute: ‚Haben die Mamas heute frei?‘ Aber richtig negative Erfahrungen haben wir nicht gemacht.“

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