Drecksack und Scheißkübel: Harald Schmidt und seine Liebe zum Schwabenländle

Dauer

Er war das Gesicht der deutschen Late-Night-Landschaft und sein schwarzer Humor legendär: Harald Schmidt redet mit uns über das Schwäbisch-sein, seine Liebe zur Stadt und warum Berliner Hipster-Talk einfach nicht nach Stuttgart gehört.

„Ich würde eine Stadt wie London – anonym, zubetoniert, international, wo man völlig unbehelligt ist – jederzeit einem Bauernhof mit Tieren vorziehen.“

Harald, 61, Moderator

Harald Schmidts Lieblingsbeschäftigung ist, den Alltag und die Menschen um sich herum zu beobachten: „Ich fahre gerne Regionalexpress von Stuttgart nach Tübingen. Mir gefällt unglaublich gut, wie die Leute, die nicht mitbekommen haben, dass es keinen Zwischenstopp mehr gibt, panisch von innen gegen die Scheibe schlagen, weil sie halt doch aussteigen wollen."

„Das hat ein bisschen was von Indien, wo die Leute ja mehr auf als in den Zügen reisen.“

Schmidt ist in Nürtingen aufgewachsen, lebt aber mittlerweile in Köln. Eine kleine Hassliebe:

„Köln ist völlig von sich selbst besoffen. Die Stadt sieht sich auf einem Level mit Singapur und Manhattan, ist aber in Wahrheit die Welthauptstadt des Siffs, in der letztendlich nichts funktioniert, aber aufgrund von dieser Karnevalsmentalität alles klappt.“

Das Weltgeschehen verfolgt Schmidt bis heute lieber analog als digital: „Ich gehe jeden Tag in den Kiosk und kaufe mir ganz klassisch eine Zeitung, weil ich auch die Stimmung dort mag. Meistens steht da schon morgens jemand in der Lottoabteilung und schimpft auf den Staat. Und ich habe auch schon aus Versehen unglaubliche Dokumente dort liegenlassen – Verträge oder Portemonnaies. Die lagen dann einfach Tage später bei mir wieder im Briefkasten - wahrscheinlich eine Form von Ehrlichkeit oder auch schlichtes Desinteresse.“

Zu sich selbst versucht Schmidt genauso ehrlich zu sein, wie der Welt gegenüber:

„Ich bin ein Kopfmensch und ein guter ‚Reißleinen-Zieher‘."

„Als ich noch ein eigenes Studio hatte, habe ich auch Investitionen gemacht, die sich nicht gelohnt haben. Die habe ich einfach nach zehn Tagen mit einigem Verlust wieder gestoppt. Wenn ich’s mir schöngeredet hätte, wäre es ein gigantischer Verlust gewesen."

„Ich bin immer jemand, der, wenn es sein muss, definitiv auch Stopp sagen kann.“