Body-Modification: Niemals mit Narkose

Dauer

Artchie aus Stuttgart hat viele Tattoos, Piercings und sogar eine gespaltene Zunge - und das alles ohne Narkose. Doch wie schafft er es, bei solchen Eingriffen seine Schmerzgrenze zu umgehen?

„Ich will meinen Schmerz kontrollieren.“

Artchie, 29, Tätowierer

Angesprochen auf seinen Willen, jeden Eingriff, jedes Tattoo, jede Operation ohne Narkose durchführen zu lassen, erklärt Artchie: „Jeder Mensch glaubt, ein Schmerzlimit zu haben – aber das stimmt nicht. Es liegt an dir selbst, dieses Limit zu setzen oder es zu erweitern. Immer ein wenig mehr wagen.“

Ursprung im Kloster

Aber warum tut er sich das an, ohne Betäubung? „In meiner Zeit im Kloster wurden wir darin auch geübt. Und was für mich das Reizvolle daran ist, ist die Herausforderung: wenn ich lerne diesen einen Schmerz auszuhalten, dann halte ich auch anderen Schmerz aus. Egal ob es ein physischer oder ein psychischer Schmerz ist. Und das hilft mir in unangenehmen, oder auch leidvollen Situationen, damit klarzukommen:

Ich weiß, ich habe schon Schlimmeres ausgehalten. Dann werde ich auch diesen Schmerz aushalten.

Denn wenn der Schmerz dich überwältigt, dann kannst du nicht mehr kontrolliert reagieren. Und dieses Gefühl: ich kann meinen Schmerz beherrschen, ich kann mich kontrollieren, das gibt mir tatsächlich ein tiefes Gefühl von Befriedigung.“

Schmerzfrei durch Meditation

Eine Meditations-Erfahrung ist ihm dabei besonders in Erinnerung geblieben: „Als ich mir das Zen-Tattoo tätowieren ließ, habe ich mich so sehr in eine Meditation versetzt, dass ich keinen Schmerz mehr gespürt habe, sondern ich war auf einer Klippe. Ich konnte den Wind spüren, die Salzluft schmecken, ich schwebte wie ein Vogel übers Meer. Nur durch diese meditative Kraft, nur durch meine Gedanken!“ Für einen Augenblick leuchten seine Augen bei dieser Erinnerung, und man spürt, wie sehr ihn diese Erfahrung beschäftigt.

„Da hab‘ ich die Tattoo-Session abgebrochen. Ich musste erst mal verarbeiten, wie weit ich den Schmerz da überwunden, transzendiert hatte, und wohin ich mich da nur mit meinen Gedanken gebracht hatte.“

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