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Es klingt wie eine Filmstory: Martin Spangenberg aus Mainz wacht in der Silvesternacht 2014/2015 morgens auf und hat sein Gedächtnis verloren — mit 34 Jahren.

„Alles war weg.“

Es gab Vorboten: „Ich bin mit meinem Rennrad nach Koblenz gefahren und auf der Strecke, die ich eigentlich gut kannte, haben sich plötzlich meine Gedanken verschoben. Ich wusste nicht mehr woher ich kam und wohin ich will.“

Diagnose: Multiple Sklerose

Die Ärzte diagnostizieren schließlich Multiple Sklerose. Die Krankheit mit den vielen Gesichtern. Bei Martin Spangenberg führt sie dazu, dass er sein Kurzzeitgedächtnis verliert. „Meine Eltern kann ich noch erkennen, die sind im Langzeitgedächtnis gespeichert, auch meine Großeltern, aber alles was zeitlich näher rückt ist weg.“ 

Alltag ohne Kurzzeitgedächtnis

Auch sein Studium. Martin hat VWL und Politikwissenschaft in Mainz studiert. „Ich hatte angefangen zu Arbeiten und dann: als hätte ich nie studiert.

Jetzt gehören Notizzettel zu seinem Alltag. „Am Anfang habe ich mich sehr dafür geschämt alles notieren zu müssen, aber so ist halt meine Krankheit. Da stehe ich mittlerweile drüber.” Bis zu dieser Einstellung war es ein langer Weg.

Einsamkeit und Suizidgedanken

„Am Anfang waren Suizidgedanken en Masse. Ein Gefühl der Einsamkeit oder auch allein gelassen worden zu sein. Das Gefühl, man schämt sich, weil man sich dumm fühlt. Und ich denke, die Gesellschaft guckt auf einen herab.” Bis er wieder Hoffnung hatte dauerte es drei Jahre. Neurologen und Therapeuten helfen ihm, ins Leben zurück zu finden. Das wichtigste aber ist für ihn, wieder arbeiten zu können.

Dank eines Jobs zurück ins Leben

Der „Gasthof Grün“ in Mainz ist ein Betrieb der Gesellschaft für Psychosoziale Einrichtungen (GPE), ein inklusiver Betrieb. Hier wird er unterstützt, wieder eine Aufgabe und einen regelmäßigen Tagesablauf zu haben. „Ich kellnere, ich spreche mit den Gästen, alles was eine normale Servicekraft macht. Mit dem Job habe ich Stück für Stück wieder Hoffnung bekommen. Es geht bergauf!“ Wohin sein Weg führt, kann Martin Spangenberg nicht wissen. Jederzeit könnte ihn ein neuer MS-Schub wieder ausbremsen, doch er hat gelernt, im hier und jetzt zu leben. 

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