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Elektriker Heinrich Jung streckt ein defektes Elektrogerät lächelnd in die Kamera. (Foto: SWR)
„Reparieren geht vor Wegwerfen“ – dafür steht Heinrich Jung, Elektromeister der Blitzblume in Ingelheim.
Seit 37 Jahren repariert Heinrich Jung Elektrogeräte. Neugeräte verkauft er aus Prinzip nicht.
„Das nenne ich Gewaltenteilung. Meine Kundschaft kann sich 100 Prozent darauf verlassen, dass ich alles für die Reparatur unternehme.“
Für ihn ist Reparieren aktiver Klimaschutz. Denn neue Geräte sind nicht unbedingt energiesparend.
„Wenn ein Gerät nur fünf Jahre hält, kann es noch so sparsam sein. Es ist ein ökologisches Desaster.“
„Was 30 Jahre gehalten hat, hält auch nochmal so lange durch.“
30.000 Geräte hat Heinrich schon repariert. Für sein Engagement wurde er schon mehrfach ausgezeichnet, z. B. mit dem „Goldenen Schraubenzieher 2020“ vom Runden Tisch Reparatur e. V.
Aber es gibt nur noch wenig Betriebe, die reparieren. Heinrich wünscht sich Konkurrenz. Arbeit gibt es genug – nur Handwerker nicht.
„Viele wissen gar nicht, welche Befriedigung damit verbunden, ein Tagwerk zu verrichten und am Ende funktioniert etwas.“

Vor 37 Jahren fragte sich Heinrich Jung, was er als Elektromeister für die Umwelt tun kann. Als Antwort darauf gründete er die Blitzblume, einen Reparatur-Dienst ohne Neugeräteverkauf. „Das ist Gewaltenteilung: Meine Kundschaft kann sich darauf verlassen, dass ich alles für die Reparatur unternehme und kein Verkaufsinteresse im Spiel ist.“

Bei Heinrich Jungs Blitzblume geht Reparieren vor Wegwerfen

Knapp 30.000 Geräte hat er seither vor dem Müll gerettet, oft mit wenigen Ersatzteilen. Kühlschränke und Waschmaschinen zum normalen Preis, kleine Geräte günstiger. Ihm geht’s ums Prinzip: Reparieren statt Wegwerfen.

Neugeräte sind nicht automatisch umweltfreundlicher

Das gilt auch für vermeintlich umweltfreundlichere Neuanschaffungen: „Ein neues Gerät kann so sparsam sein, wie es will – wenn es nur fünf Jahre hält, ist es ein ökologisches Desaster.“ Um die Energiekosten für die Herstellung auszugleichen, müsste es länger halten als das alte. Doch das genaue Gegenteil beobachtet er: 40-80 Leute rufen täglich bei seiner 2-stündigen Sprechstunde an. „Ich stelle immer drei Fragen: Marke? Alter? Störung?“ – Allein daran erkennt er, ob sich eine Reparatur lohnt. „Eine drei Jahre alte Bosch-Waschmaschine mit Lagerschaden ist Schrott. Aber wenn eine No-Name-Maschine schon 15 Jahren läuft, dann hat sie sich bewiesen. Das ist ein Statement – sowas sollte man immer reparieren.“

Reparieren: Ein Handwerk, das glücklich macht

Heinrich ist inzwischen bundesweit bekannt. In seinem Hof türmen sich Geräte, die er aus ganz Deutschland zugeschickt bekommt. Denn es gibt nur wenige Menschen wie ihn. „Ich wünsche mir dringend Konkurrenz. Die Arbeit liegt auf der Straße.“ Aber die sinnstiftende Arbeit des Handwerks wird kaum noch wertgeschätzt, findet er. „Viele wissen gar nicht, welche Befriedigung damit verbunden ist, ein Tagwerk zu verrichten und am Ende funktioniert etwas. Ich werde täglich zugeschüttet mit Bestätigung.“ Deshalb denkt er auch nicht an Rente – „Wozu? Ich muss nicht entschädigt werden für meine Arbeit. Sie macht mir Spaß.“

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