Ukrainerinnen und Ukrainer aus Mainz haben Angst um Angehörige

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Fabian Janssen
Fabian Janssen (Foto: SWR)
Frau mit Plakat gegen Putin (Foto: SWR)
„Ich wünsche mir, dass mein Land keinen Krieg hat. Wenn junge Leute in dieser Zeit in den Krieg müssen und sterben – das ist unglaublich und muss nicht so sein“, sagt Anna aus Darmstadt.
„Diese Situation ist ganz schwierig. Ich bin hier, meine Familie ist in Kiew. Und ich kann überhaupt nicht helfen“, sagt Maria, die seit sechs Jahren in Deutschland lebt.
Etwa 500 Menschen sind auf dem Mainzer Gutenbergplatz zusammengekommen, um gegen Russlands Krieg gegen die Ukraine zu demonstrieren.
„Die Hoffnung auf Frieden stirbt zuletzt. Solange es Menschen wie uns gibt, die noch ihre Meinung sagen. Solange wir noch auf die Straße gehen, ist die Ukraine noch nicht verloren“, sagt Boris, der als Kind aus der Ukraine nach Deutschland kam.
Die meisten Menschen wollen einfach, dass es keinen Krieg gibt.
Olesia und Tetyana aus Mainz sagen: „Ich war 2014 noch auf dem Maidan und stand da für Europa, für Frieden. Ich hab nie gedacht, dass ich nochmal dieselbe Flagge nehme und für die europäischen Werte stehe.“
„Ich wünsche mir Hilfe, weil wir nicht in der Lage sind, den irren Mann zu stoppen. Unser Himmel ist offen und Bomben fallen. Wir haben keine Luftabwehr“, sagt Irina, die seit elf Jahren in Deutschland lebt.
Auf der Mainzer Kundgebung hält auch schon ein Kind ein Schild mit dem Schriftzug "Hilf der Ukraine" in der Hand.
Der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling spricht auch vor der Menschenmenge, die gegen den Krieg in der Ukraine demonstriert und Unterstützung fordert. Er sichert Hilfe für Geflüchtete aus der Ukraine zu.
Der SPD-Politiker Daniel Baldy und Oberbürgermeister Michael Ebling hören den Redner:innen auf der Demonstration gegen den Krieg in der Ukraine zu.
Viele Menschen aus Mainz sind gekommen, um Solidarität zu zeigen und ihrer Angst vor einem noch größeren Krieg in Europa Ausdruck zu verleihen.
Die Hoffnung auf Frieden mischt sich mit der Verzweiflung der Menschen, die Angehörige im Kriegsgebiet haben.

„Ich bin aufgewacht, schaue auf mein Handy und sehe, dass Putin eine Kriegserklärung abgegeben hat. Ich war tief schockiert.“ 

Das sagt uns Boris, der eine Ukraine-Flagge um die Schultern liegen hat und in der Menschenmenge auf dem Gutenbergplatz in Mainz steht. Es ist der 24. Februar 2022, 18 Uhr. Nach einem langen Tag, an dem sich eine schreckliche Meldung aus der Ukraine an die nächste heftet, sind an vielen Orten in Deutschland Menschen zusammengekommen, um gegen den Krieg zu demonstrieren. 

Niedergeschlagen und wütend ergänzt Boris: „Eigentlich muss uns das gar nicht richtig wundern. Wir sind schon seit 2014 im Krieg. Da war es ein hybrider Krieg, jetzt ist es eine Großoffensive. Ich war sehr schockiert, dass sowas im 21. Jahrhundert möglich ist. Ich dachte, wir sind alle zivilisierte Menschen. Aber nein, anscheinend nicht.“  

Ein Angriffskrieg mitten in Europa – wir fragen uns selbst: Haben wir Frieden für zu selbstverständlich gehalten? Die Stimmung auf dem Platz ist angespannt. Trauer und Wut werden zur Verzweiflung. Wir treffen auf Maria, sie kommt ursprünglich aus Kiew. Sie steht hier, weil sie etwas tun musste: „Das ist alles, was ich machen kann“, sagt sie und fängt an zu weinen.

„Diese Situation ist ganz schwierig: Ich bin hier, meine Familie ist in Kiew. Und ich kann nicht helfen.“ 

Die Verzweiflung hört man in den Reden, die Betroffene vor den etwa 500 Versammelten halten. Politiker, wie der Mainzer Oberbürgermeister, sichern zu, Geflüchteten helfen zu wollen. Doch die Angst um Angehörige im Kriegsgebiet wird dadurch nicht weniger. Auch bei Olesia und Tetyana, sie stehen im gerade einsetzenden eisigen Regen und erinnern uns daran, wie nah der Krieg an Mainz ist: „Das sind zwei Flugstunden von hier. Die Menschen sind heute aufgewacht mit Bomben. Studenten, Kinder, ältere Menschen - die müssen sich alle verstecken.“  

Die beiden äußern einen Wunsch:

„Dass die westliche Welt reagiert, denn wenn kein Frieden in der Ukraine ist, kann es keinen Frieden in Europa geben. Es hängt alles eng zusammen.“ 

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