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„Wenn jemand gerne eine Schublade für uns hätte, dann sind wir Streetartists.“

Vagabunt streifen mit einer Mission durch Mainz. „Es geht uns darum, mit Humor ein bisschen was Positives in den tristen Alltag zu tragen und den Leuten zu sagen ‚lacht doch mal‘!“ Deshalb klebt „Forrest Gum“ an einer Parkbank. „Schoppenhauer“ prostet vom Stromkasten aus mit grimmigem Blick den Vorübergehenden zu. Und „Alice scheiße, such das Weidel“ klebt an einer Mauer.

Vagabunt sind Klebenskünstler und Denk-mal-Pflegerinnen, Wortjongleure und Expertinnen für bunte Collagen. Die Themen liegen für sie so in der Luft, wie der Streetarthype vor drei Jahren, als Vagabunt in Mainz anfingen. „Wir laufen durch die Straßen und Formen oder Wörter lachen uns an, aus denen wir etwas machen können. Dann geht die Kopfmaschine los und Neues entsteht. Manchmal ist es ein politisches Ereignis, manchmal einfach nur totaler Mist und manchmal überlegen wir wochenlang.“

Die Klebekunst verschwindet oft genauso schnell, wie sie auftaucht. Denn Vagabunt kleistern nicht, sondern kleben nur und die Zettel lassen sich leicht entfernen. Aber in den sozialen Medien haben sie länger Bestand und verbreiten sich.

„Wir finden es schön, etwas in einer Stadt zu machen, die nicht Hamburg oder Berlin ist.“

In Mainz sind Vagabunt immer wieder Stadtgespräch. Nur sie selbst können nicht mitreden, wenn über sie gesprochen wird. Denn kaum jemand weiß, wer und wie viele sich hinter dem Namen verbergen. „Man will seine Kunst teilen, besonders mit seinen Liebsten. Nichts zu sagen ist manchmal schwer. Aber es ist auch irgendwie geil.“

Es ist Mitternacht auf der Theodor-Heuss-Brücke. Vagabunt tragen die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen. Am Ortsschild schwingt ein Blumentopf mit blühenden „vergissMAINZnicht“ in der Nachtluft. Ein kleiner Gruß an die Mainzer. Und Vagabunt sind schon wieder verschwunden.

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