Staatsfeindin Barbara Große flüchtet aus der DDR nach Mainz

Dauer

„Mir war nicht klar, dass die alles wussten. Jede Kleinigkeit.“

Bärbel Große (71) wurde in der DDR rund um die Uhr beschattet: 3.000 Seiten hat die Stasi über sie angelegt. Wegen „Landesverräterische Agententätigkeit“ wurde sie schließlich zu sechs Monaten Untersuchungshaft und 30 Monaten Zuchthaus verurteilt. Der Grund: Sie wollte ausreisen und hat deshalb immer wieder Anträge gestellt und die deutsche Botschaft besucht. Das reichte der DDR-Führung für eine Verurteilung.

Im Gefängnis teilte sie sich die Zelle mit weiteren politischen Gefangenen aber auch mit 12 Kindsmördern. Die Erlösung kam nach 15 Monaten aus dem Westen: Sie durfte von der BRD freigekauft werden. Nach einer Zeit in Gießen entschied sich Bärbel, nach Mainz zu ziehen. Durch die Fernsehfastnacht wusste sie, dass die Meenzer ein lustiges Völkchen sind. Zurück nach Leipzig wollte sie auch nach der Wende nie:

„Die ganzen Stasi-Leute und die ganzen hohen Genossen von der Partei, die wohnen ja noch dort und nicht mit einem von denen will ich noch in der gleichen Stadt wohnen.“

Heute bezeichnet sich die Hörfunktechnikerin im Ruhestand sogar als „Meenzer Mädche“. „Jeden Tag sage ich mir: Es war die richtige Entscheidung. Ich denke da noch sehr oft dran.“