Pfarrer bei der Bunderwehr - ein Widerspruch?

Pfarrer bei der Bunderwehr - ein Widerspruch?

Alexander Liermann (Foto: Alexander Liermann)
(c) Alexander Liermann Alexander Liermann
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Alexander Liermann

„Mir gegenüber hat sich kaum ein Soldat dazu bekannt, ein Leben genommen zu haben.“

Alexander Liermann (53) ist Militärpfarrer in Mainz und für das Seelenheil der Truppe zuständig. Gerade war er für vier Monate mit den Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr in Afghanistan. Unter den Soldaten und Soldatinnen die Alexander betreut, sei es sehr selten, dass jemand Leben nimmt. Denn die Bundeswehr führe keine Kampfeinsätze aus, sondern sei meist in Ausbildungsmission unterwegs, erklärt er. In seinen elf Jahren als Militärpfarrer hat er aber auch mit traumatisierten Soldaten gearbeitet.

„Das Trauma kann sein, dass sie Gewalt ausgeübt haben an einer Stelle, wo sie es lieber nicht gemacht hätten. Oder, dass sie keine Gewalt ausgeübt haben, obwohl sie es hätten tun sollen, und so auch jemand zu Schaden kam.“ Bei diesen Soldaten dauert es meist sehr lange, bis die Erlebnisse verarbeitet sind, berichtet Alexander.

„Ich kann natürlich niemand das Gewissen reinwaschen. Ich kann jemandem das zusprechen, was Gott den Menschen zuspricht, dass er diese Schuld mitträgt und dass ein Neuanfang möglich ist.“

Im Feldlager in Afghanistan waren seine Aufgaben eher im Alltag verankert. „Einfach ein guter Geist zu sein und für Unterbrechung zu sorgen. Zu sagen: Es gibt noch etwas anderes als den Dienstbetrieb, aber auch etwas anderes als die Sorgen zu Hause.“ Dazu kamen Gottesdienste, Andachten, Meditationen oder Gespräche. Gerade die Ablenkung im Feldlager ist wichtig.

„In Afghanistan ist die Lage mittlerweile so gefährlich, dass man das Feldlager kaum mehr verlassen kann. Man kann nicht raus und Zivilisten treffen und versuchen das Land wiederaufzubauen.“

Die Stimmung im Lager fand er trotzdem gut. „Das ist mir direkt zu Beginn aufgefallen. Und zwar merkt man das daran, dass die Soldaten sich informell grüßen. Fast jeder nickt oder hebt den Finger. Da war ich sehr erleichtert und hab auch alles dafür getan, dass diese Kultur erhalten bleibt.“


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