Helfer sind Tabu: Notfallsanitäterin lässt sich von der Gewalt gegen Retter nicht unterkriegen

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„Wenn man als junge Frau zum Einsatz fährt, hat man schon manchmal ein mulmiges Gefühl.“

Angst hat Büşra insbesondere bei nächtlichen Einsätzen. Dann sitzt sie im Krankenwagen und weiß nicht, was auf sie zukommt. Wie schnell man in ihrem Beruf Opfer von Gewalt werden kann, musste sie am eigenen Körper erfahren: „Vor anderthalb Jahren, als ich selbst noch in Ausbildung war, bin ich mit einem Kollegen zu einem alkoholisierten Patienten gerufen worden, der gestürzt ist und untersucht werden musste. Der wollte aber nicht mit uns fahren, sodass wir die Polizei dazu geholt haben und ihn ins Krankenhaus gebracht haben. Dort hat mir der Patient plötzlich gegen das Brustbein getreten, sodass ich keine Luft mehr bekommen habe.“ Die 22-Jährige aus Bad Kreuznach ist mit ihrem Erlebnis aber nicht allein. Laut Innenministerium gab es allein im ersten Halbjahr 2018 47 Fälle von Körperverletzungen, Nötigungen und Bedrohungen. Tendenz: steigend. Oft sind es alkoholisierte Jugendliche, die randalieren wollen. Aber auch ältere Menschen werden gewalttätig.

„Die Menschen wollen ab einem gewissen Alter einfach nicht mehr. Und wenn sie dann vom Arzt oder von Angehörigen gezwungen werden, mit 90 Jahren nochmal ins Krankenhaus zu gehen, werden sie wütend. Und das bekommen wir dann ab.“

Trotzdem war für Büşra immer schon klar, dass sie einen sozialen Beruf ausüben will. Jetzt hat sie ein Studium zur Medizinpädagogin begonnen. Damit will sie kommende Generationen zu Notfallsanitätern ausbilden.

„Ich will Menschen helfen. Und von den Einzelfällen, bei denen Gewalt im Spiel ist, lasse ich mich nicht einschüchtern.“

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