Muster-Deutscher

Muster-Deutscher

Elsa Reportage Bujar und seine Oma (Foto: SWR)
Bujars Großmutter faltet die Hände, wenn es im Gespräch um den Krieg geht.
Traditionelle Süßspeisen gehören bei Buhjars Familie auf den Tisch.
Die Live-Bundestagesdebatten auf Phönix gehören bei Bujar zum Standard-Programm.
Eine ästhetische Einrichtung ist Bujars Familie sehr wichtig.
Bujars Großmutter lacht sehr gerne.
Bujars Großmutter ist eine exzellente Zuhörerin.

„Wenn man sich in Deutschland integriert, dann bekommt man alles vor die Füße gestellt. Man passt sich an! Das fordere ich auch von anderen Bürgern, die geflüchtet sind!“

Bujar Shala

Bujar Shala sitzt im geräumigen Wohnzimmer seiner Eltern. Im Hintergrund flimmert der Fernseher, Phoenix überträgt eine Plenarsitzung aus dem Bundestag. „Ja, das ist bei uns so“, sagt der frischgebackene Bachelor-Student, schaut auf den Schirm vor der penibel geklebten Deko-Steinwand und muss schmunzeln.

Bujar Shalar, Jahrgang 91, ist ein Kriegskind. Er ist geboren in Mitrovica, im Kosovo, und aufgewachsen in der Elsa, in Mainz-Gonsenheim. Heute ist er wohl das, was man ein Musterbeispiel für gelungene Integration nennen könnte. Gut ausgebildet, „anfangs ohne Deutschkenntnisse“, dann im Durchmarsch von der Hauptschule bis zum Uni-Abschluss als Wirtschaftsingenieur. „Integration, das heißt für mich, dass man die Sprache spricht und sich an das Grundgesetz hält." „Grundgesetz“, „Bürger“ und „Integration“: Bujar mag Demokratie-Vokabeln und baut sie gerne und mühelos in seine Sätze ein.

Vielleicht kommt die präzise Sprache auch von seinem Vater, ein Jurist, der in Deutschland nach der Flucht aus dem von den Kriegen zerstörten Balkan, nochmal von vorne anfangen musste: erst als Busfahrer, dann im Gartenbau, dann noch einmal ein ganzes Jura-Studium bis hin zum Examen. Bujars Familie hat hart gearbeitet für die Integration und „hier immer eine Perspektive gesehen“.

Als seine Familie 1999 flüchtete, da tobten die Kriege auf dem Balkan schon seit fast acht Jahren. Seine Oma, die neben ihm auf der Couch sitzt, war schon etwas früher in Deutschland. Sie spricht wenig Deutsch, aber sie fühlt sich wohl in der Elsa, sagt sie.  „Fließendes Wasser, Strom aus der Dose und eine warme Wohnung." Es sind die ersten drei Dinge, die Oma einfallen, wenn man sie fragt, was sie an ihrer Wohnung in der Elsa schätzt. Sie hat die Zeit geprägt, in der es an allem mangelte und das Überleben wichtig war, nicht das Ausschmücken. „Gonsenheim ist für mich die  schönste Ecke von Mainz“, sagt Bujar. „Hier gibt es den Wildpark, den Fußballplatz, eben alles was ein Stadtteil braucht.“



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