Vom Drogensüchtigen zum Ultra-Trail-Runner

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Michèle Kraft
Michèle Kraft (Foto: SWR)

„Vorher war man immer nur auf der Suche nach dem Stoff gewesen und jetzt bin ich auf der Suche nach dem nächsten Lauf. Was könnte mich herausfordern, was gibt es noch?“

Holger liebt es zu laufen. Seine Wege führen ihn auf Singletrails durch den Odenwald, den Pfälzerwald oder die Alpen. Dabei hatte er bis vor zehn Jahren noch keinen Bezug zum Sport. Er war drogensüchtig und suchte immer nach einem neuen Kick. Mit ca. 15 Jahren begann seine Sucht durch Alkohol und Zigaretten und steigerte sich zu LSD und Kokain. „Man wollte immer dabei sein.“ Um seinen Konsum zu finanzieren, verkaufte er neben seinem regulären Job Drogen an andere Süchtige.

„Wenn man einen Entzug macht, ist man nicht gleich clean. Man ist zwar clean in dem Moment, aber man hat nichts im Rücken, keine Freizeitgestaltung. Die Leute wissen dann nicht, was sie mit sich anfangen sollen.“ Holger machte mehrfach einen Entzug. Eine Therapie, macht er aber nicht. „Man muss dort sprechen, man ist mit der Gruppe zusammen. Als Drogenabhäniger ist das schwer, weil man immer nur einzeln lebt. Man hat nur sich und die Drogen.“ Die Drogen ganz aufzugeben, fiel ihm schwer, denn auch in der Therapie kommt er ohne Probleme an Heroin. „Ich bin als clean entlassen worden, war aber schon längst wieder drauf.“

Holger wird mehrfach verurteilt und kommt ins Gefängnis. Erst 2009 hat eine Therapie Erfolg. Mit anderen Patienten bereitet er sich auf einen fünf Kilometer Lauf vor und interessiert sich wieder für sein Umfeld. „Die Menschen, mit denen ich gelaufen bin, haben mich interessiert. Was steckt hinter den Menschen?“ Von der Kurzstrecke ging es über den Halbmarathon zum Marathon und später zum Trail-Running über mehr als 200 km am Stück.

„Wenn man anfängt zu laufen, soll man es nicht übertreiben. So ist es im Leben auch. Man muss sich die Pausen nehmen und darf nicht so im Stress versinken.“

In der Woche läuft er nun rund 150 Kilometer und überträgt seine Laufliebe auch auf andere. Für den DAV betreut er eine Trail-Runner Gruppe und zeigt anderen, wie viel von der Natur man beim Laufen erleben kann.

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