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Stefanie Molitor (Foto: SWR)

Esha aus Sinzheim wurde adoptiert, als sie 10 Monate alt war. Ihre leiblichen Eltern kennt sie nicht. Trotzdem sagt sie heute: Ich habe eine Familie.

Esha wird in der indischen Hauptstadt Delhi geboren und in einem Kinderheim abgegeben. Mit 10 Monaten wird sie dort von einem deutschen Ehepaar adoptiert und wächst in der Nähe von Baden-Baden auf. Ihre Adoptiveltern können auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen – vom Wunsch bis zur Adoption dauert es fast 5 Jahre. „Viele glauben, dass man sich ein Kind einfach aussuchen und kaufen kann. Das stimmt nicht. In einem legalen Adoptionsprozess werden die richtigen Eltern für das Kind gesucht und nicht andersrum.“   

Clash der Kulturen 

Von Anfang an gehen Eshas Adoptiveltern mit dem Thema offen um, zeigen Esha Fotos und Filme von der Adoption und dem Kinderheim. Als Esha 5 Jahre alt ist, adoptieren ihre Eltern ein weiteres Kind aus Indien. Zu diesem Zeitpunkt reist Esha zum ersten Mal in ihr Geburtsland. Ein befremdliches Gefühl, das bis heute bleibt: „Mich verbindet mit dem Land und der Kultur nichts. Ich fühle mich dort fremd. Für einen Urlaub ist das schön, aber meine Heimat ist Deutschland.“   

Wer bin ich? 

Esha ist bei ihrer Adoptivfamilie glücklich. Trotzdem, sagt sie, fehle ihr ein Stück Identität: „Man will wissen, wo man herkommt. Warum die eigene Mutter einen weggegeben hat. Ob ich Geschwister habe, wann genau mein Geburtstag ist. All das werde ich nie beantwortet bekommen.“   

Was das Wort Familie wirklich bedeutet 

Zurzeit schreibt Esha ein Buch, das auch anderen Adoptivkindern Mut machen soll. „Mal traurig zu sein und sich diese Fragen zu stellen, gehört dazu.“ Trotzdem sagt Esha: „Ich habe eine Familie. Eine Familie bedeutet, durch Höhen und Tiefen zu gehen, sich auch mal streiten zu dürfen und sich wieder zu versöhnen. Das hat für mich nichts mit direkter Blutsverwandtschaft zu tun. Das ist meine Familie und das wird sie immer bleiben, selbst wenn ich meine leiblichen Eltern kennen würde.“ 

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