Joëlle ist blind und ertastet Brustkrebs mit ihren Händen

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Michèle Kraft
Michèle Kraft
Anna Pöhler
Anna Pöhler

„Ich wollte etwas Sinnvolles tun und Frauen helfen, so früh wie möglich eine Krebskrankheit zu entdecken, damit die Behandlung auch so glimpflich wie möglich vorbeigeht.“

Danielle-Joëlle Toussaint hatte noch nie Berührungsängste, denn die darf sie bei ihrem Job als Medizinisch-Taktile Untersucherin, kurz MTU, auch nicht haben. Die MTU ist eine spezielle Stelle im medizinischen Bereich für blinde Frauen, die mit ihrem Feingefühl und ausgeprägtem Tastsinn selbst kleinste Veränderungen in der Brust ertasten können.

„Die Untersuchung ist einfach faszinierend, weil jede Brust und jede Haut anders ist.“

Für eine Untersuchung hat Joëlle ca. 45 Minuten - mehr Zeit als die meisten Ärzte. Dabei füllt sie zusammen mit den Frauen erst einen Fragebogen aus, der sehr intim sein kann und tastet danach die Brust ab. Hierfür nutzt sie fünf Orientierungsstreifen, die die Brust in vier Zonen unterteilt. Jede Zone wird Zentimeter für Zentimeter auf drei Ebenen untersucht. „Besser (ein) klein(er Knoten) bei mir und er ist operativ schnell und gut zu entfernen, wie zu spät und dann hat es schon gestreut.“

Was viele nicht wissen, auch Männer können Brustkrebs bekommen. 4% der Neuerkrankten sind Männer, die Tendenz ist steigend. Auch sie können einen Termin bei einer MTU ausmachen.

Joëlle macht ihre Arbeit jetzt schon seit fünf Jahren. Die gebürtige Französin ist als Kleinkind am Grauen Star erkrankt, hätte aber erst als sechsjährige operiert werden können, doch bis dahin war ihr Sehnerv verkümmert. Die Folge: Joelle sieht nur 0,03 %, kein 3D, aber Farben. Den Mut und ihren Humor hat sie trotzdem nie verloren. Sie hat sich in etlichen Bereichen ausprobiert, war Pfarrerin, Religionslehrerin, hat Germanistik studiert und eine Ausbildung als wissenschaftliche Dokumentarin gemacht. „Ich weiß nicht, wie man normal sieht, ich habe immer so gelebt, von daher weiß ich nicht, was ich nicht sehe, weil ich es nicht gesehen habe.“

Wie ist es, Sterbende zu begleiten? Die 81-Jährige Ute arbeitet ehrenamtlich im Hospiz

Ute aus Degerloch ist 81 Jahre und in Rente. Einmal in der Woche engagiert sie sich ehrenamtlich im Hospiz. Dort besucht sie Menschen, die nicht mehr lange leben. Sie erzählt, warum sie das Ehrenamt so bereichert.