Mit Leidenschaft gegen den Müll: Janine Schweitzer räumt Messie-Wohnungen

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Eine Wohnung irgendwo in Mainz: Die Fenster blind vor Staub. Das Schlafzimmer: Mülltüten, meterhoch gestapelt, Fruchtfliegen schwirren umher. Inmitten dieser Halde war der Schlafplatz einer 80-jährigen Frau, die jetzt im Heim ist. Im Schutzanzug räumt Janine Schweitzer Wohnungen von Menschen, die am sogenannten Messie-Syndrom leiden. Seit fünf Jahren arbeitet sie als selbstständige Tatortreinigerin und Messie-Helferin.

„Ich liebe meine Arbeit. Ich finde diesen Vorher-Nachher-Effekt großartig. Vorher denkt man, das schafft man nie – ich bringe die Wohnungen dann aber immer wieder zum Atmen und bin danach stolz auf mich und mein Team!“

Schlimme Szenarien hätte sie schon erlebt: „Eine zierliche, gepflegte Frau. Sie hat auf Kippen, leeren Weinflaschen und Essenresten geschlafen.“ Die Menschen litten oft unter Depressionen und Überforderung. Das Messie-Syndrom könne jeden treffen: „Ich hatte schon Professoren. Oft sind es Menschen mit perfektionistischen Zügen!“

Es gibt viel zu tun

Janine Schweitzer räumt etwa zwei Messie-Objekte im Monat. Dafür muss sie Container bestellen, desinfizieren, dann Kahlschlag, sagt Schweitzer. Durch ihre eigene Geschichte findet die 39-jährige leichter Zugang zu Betroffenen: „Ich bekomme einen Riesen-Vertrauensvorschuss, die Scham ist sehr groß.“ Janine Schweitzer kann es nur schwer ertragen, wenn andere Menschen abwertend über ihre Klientel sprechen: „Ich bin selbst übergewichtig, wiege 136 Kilogramm. Jeder von uns hat sein Loch im Herzen. Ich sitze in dem Boot, das Adipositas heißt und die sitzen halt in dem Boot, das Messie heißt!“ Beim Saubermachen vergesse sie ihre Pfunde: „Für mich ist das auch irgendwie eine Therapie, sagt Janine Schweitzer lachend: „Meine Fettheit geht im Müll unter!“

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