Kampf ums Kind

Dauer

Nach der Scheidung musste Reinhard vor Gericht um jede Minute mit seinem jüngsten Sohn kämpfen. Rückblickend erzählt er, was andere Väter aus seiner Geschichte lernen können.

"Ich habe die Scheidungs-Hölle hinter mir. Und es gab niemanden, der mich da begleitet oder durchgezogen hat.“

Reinhard, 51, Vater

Jahrelang befand sich Reinhard im „Kampfmodus“. Nach der Trennung von seiner Frau war er Stammkunde beim Jugendamt und vor dem Richter. 13 Gerichtsverfahren brauchte er, um zu klären, wer den gemeinsamen Sohn wann und wie lange sehen darf. Am meisten litt dabei sein Sohn, sagt er heute.

„Viele vergessen bei einer Scheidung, dass es eigentlich immer um das Wohl der Kinder gehen sollte und nicht um eine gekränkte Eitelkeit der Eltern."

Lehrgeld

Rückblickend sagt Reinhard, dass er vieles anders machen würde. Er gründete die Initiative „Papa auch“ (@papaauch) und unterstützt damit vorwiegend Väter in der Trennungsphase, denn: „Es ist oft noch so, dass Kinder bei einer Trennung wie selbstverständlich zur Mutter kommen. Väter haben es da meist schwerer.“

Umdenken durch Glaubwürdigkeit

Bei seinen Coachings nimmt Reinhard bewusst kein Blatt vor den Mund: „Wenn sich einer dämlich verhält, kann ich sagen: ‚Wenn Du so weitermachst, würde ich dir das Kind auch nicht geben!‘ Und dann gucken die mich erstmal groß an.“ Doch aufgrund seiner eigenen Vergangenheit lösten klare Worte und seine Ehrlichkeit bei 80 - 90 Prozent der Elternteile ein Umdenken aus.

„Das Wichtigste ist aber einfach, in seiner Verzweiflung nicht alleine zu bleiben.“

Und so herrscht in der Selbsthilfe fast schon Partystimmung, wenn es mal wieder einen Erfolg zu vermelden gibt: „Man hat so mitgelitten und freut sich riesig, wenn bei jemandem die erste Übernachtung geklappt hat oder der erste Urlaub mit dem Kind gebucht ist. Es ist also nicht hoffnungslos, sich einzusetzen und klug zu verhalten.“