Liebe mit Multipler Sklerose – eine Krankheit, die verbindet

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Olga und Paul aus Flein haben Multiple Sklerose und sitzen im Rollstuhl. Sie lernen sich in einem Pflegeheim kennen und werden ein Paar. Heute verbringen sie fast jeden Tag miteinander.

Ein leichtes Kribbeln in den Füßen

Paul ist 30 Jahre alt, als er sich zum ersten Mal ernsthaft Sorgen um seine Gesundheit macht. Damals arbeitet er als Schreiner und Glaser.

„Am Anfang haben die Füße gekribbelt, dann wurden die Beine taub. Irgendwann hat mir der Arzt dann gesagt, dass ich Multiple Sklerose habe“.  

Paul, 60, Frührentner

Multiple Sklerose ist eine chronische Entzündung des zentralen Nervensystems. Viele Betroffene sind irgendwann auf den Rollstuhl angewiesen. Nach der Diagnose arbeitet Paul noch ein paar Jahre. Später kann er sich nur noch mit Krücken bewegen. „Meine Nachbarin hat mir das Leben gerettet. Ich wäre fast gestorben: Ich bin die Treppe hochgelaufen und ohnmächtig geworden. Sie hat mich zufällig entdeckt. Wenn sie nicht gewesen wäre, wäre ich heute nicht mehr hier.“

Mit 50 ins Pflegeheim

Irgendwann muss Paul dann in den Rollstuhl. Mit 50 geht er schließlich in ein Pflegeheim in Flein bei Heilbronn.

„Am Anfang habe ich gedacht: ‘Was mache ich hier?’ Ich wollte es nicht wahrhaben“.

Ein Jahr später kommt auch Olga ins Heim. Sie ist damals 46 Jahre alt und hat ebenfalls Multiple Sklerose. „Bei mir hat es mit Sehstörungen angefangen. Erst war ich auf einem Auge blind, dann bin ich beim Gehen immer gestolpert, weil mein Bein hängengeblieben ist“.

Ein Schicksal, das verbindet

Paul und Olga sind sich auf Anhieb sympathisch und werden ein Paar. Sie verbringen seitdem fast jeden Tag miteinander, machen Ausflüge und geben sich Kraft. Ihr nächstes Ziel: ein gemeinsames Picknick im Freien. So wie vor ein paar Jahren. „Damals hatte ich alles dabei: Kaffee in der Kanne, eine Pfanne, einen Gaskocher und Brot. Alles, was man so braucht.“ Olga rollt schmunzelnd mit den Augen und sagt: „Er verspricht es immer, aber es passiert nichts.“ Paul reicht ihr die Hand: „Wir machen das noch, Olga. Versprochen!“