Warum Sönke gerne ein Pendler ist und Verspätungen zusammenschweißen

Dauer

Sönke aus Heidelberg pendelt seit rund 30 Jahren jeden Tag mit dem Zug nach Stuttgart. Und er tut es immer noch gerne.

„Ich habe Stuttgart sehr schätzen gelernt. Aber die Frage nach einem Umzug hat sich nicht gestellt.“

Sönke, 64, Referatsleiter im Kultusministerium aus Heidelberg

Sönke hat Feierabend und will am Abend mit dem Zug zurück nach Heidelberg. Noch im Stadtgebiet Stuttgart läuft plötzlich eine Horde Wildschweine auf die Gleise. Sönke und die Mitreisenden werden wieder zurück zum Hauptbahnhof gebracht, wo sie eine Stunde auf den nächsten Zug warten müssen.

Beim Bier im Bordbistro ist die Verspätung nur noch halb so schlimm

Ein Mitreisender, der Sönke schon in der Vergangenheit aufgefallen war, kommt mit ihm ins Gespräch. Sie holen sich ein Bier und unterhalten sich. Die Wartezeit lässt sich so gleich besser ertragen. Diese Begegnung ist nur eine der Kennenlern-Geschichten von Sönke.

Vor allem in Notsituationen lerne man die meisten Pendler kennen, da sie zusammenschweißen. Ganz nach dem Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid.
In der Bahn trifft er die unterschiedlichsten Menschen. Die bereichern nicht nur seine Fahrt zur Arbeit, sondern teilweise auch sein Leben.

Geteiltes Leid, tolle Begegnungen: Auch in überfüllten Zügen

„Du hast Menschen aus dem Gesundheitswesen, aus anderen Ministerien, aus der Privatwirtschaft, Rechtsanwaltskanzleien, aus der Staatsgalerie, eine Lektorin, und alle haben sie ein interessantes Berufsleben und persönliche Geschichten.“ Das ist es, was Sönke so am Pendeln schätzt.

Pendler-Ehre: What happens in the Deutsche Bahn stays in the Deutsche Bahn

Und wenn es dann doch mal vorkommt, dass man sich über andere Pendler unterhält, dann gibt es das „Pendlergeheimnis“. Ein ungeschriebenes Gesetz, das besagt, dass keine Namen genannt werden dürfen.

Als Sönke 1990 seinen Job im Kultusministerium annimmt, kommt Umziehen für ihn nicht in Frage. Mit seiner Familie bleibt er in Heidelberg und pendelt seitdem in einer guten Stunde von Tür zu Tür. Es fehlt nicht mehr viel, bis Sönke in Rente geht. Dann werden ihm vor allem die Gespräche und die Themen fehlen, die seine tägliche Pendelei ertragbar und leicht machen.

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