Stoffhändler aus Meersburg verschickt Musterbücher zum Kunden nach Hause

Stoffhändler aus Meersburg verschickt Musterbücher zum Kunden nach Hause

Eigentlich wollte Matthias aus Meersburg Elektriker werden. Aber dann kam der Wehrdienst. Als er zurückkam, war alles ein bisschen anders, als er sich das vorgestellt hatte.

„Stoffe muss man fühlen, anfassen.“

Matthias, 58, Stoffhändler

„Eigentlich habe ich eine Elektrikerlehre gemacht. Ziemlich schnell habe ich einen Job in einer Firma gefunden, in Meersburg, und bin von Hamburg hergezogen. Aber dann musste ich zur Bundeswehr - und als ich zurückkam, hatte die Firma Pleite gemacht. Ich war ja auch nicht da, um sie zu retten...“

Stoff per Post

Inzwischen hatte aber sein Vater sich selbstständig gemacht: mit einem Stoffversand. Vorher war der als Vertreter durch Deutschland gereist und hatte mit seinem Musterkoffer den Leuten Stoffe nach Hause gebracht. „Da hatte er wohl die Idee, dass er den Leuten die Stoffe auch einfach zuschicken könnte. Er hat Stoffkollektionen in einem ‚Musterbuch‘ zusammengeheftet. Weil, Stoffe muss man anfassen. Und dann konnten sie ihre Auswahl bestellen.“

Musterbücher sind mühevolle Handarbeit

Bis heute stellt Matthias die Musterbücher mit der Hand her. „Ich mache die Quadrate, hefte sie zusammen, versehe jeden Stoff mit einem Aufkleber. Das ist wahnsinnig aufwändig. Und man muss es natürlich immer wieder machen, weil die Kollektionen ja wechseln.“

Stoffhandel ist krisensicher

1984 ist Matthias in das Geschäft seines Vaters eingestiegen - er macht den Job also seit 34 Jahren. Und er mache ihn eigentlich auch immer noch sehr gerne, sagt er. „Es ist ein ziemlich krisensicheres Geschäft. Gut, die allgemeine Finanzkrise 2008, die haben wir schon auch gemerkt. Aber sonst läuft der Laden.“

„Wenn ich in Rente gehe, dann wird keiner den Laden übernehmen. Das ist zu viel Arbeit. Aber das ist in Ordnung für mich.“