"Negerle und Schokobaby": Wie eine deutsche Familie Alltagsrassismus erlebt

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Wie ist das, wenn man als blonde Oberschwäbin mit einem Afrodeutschen verheiratet ist? Eine Frau erzählt aus ihrem Leben, das geprägt ist von Alltagsrassismus. Anonym.

Zwei große und eine kleine Hand liegen aufeinander. (Foto: SWR)

Mir rief mal jemand zu: ‘Von einer Frau, die sich von einem Schwarzen pimpern lässt, muss ich mir nichts sagen lassen.'

„Ich hatte unsere damals noch kein Jahr alte Tochter auf dem Arm und Angst, mich verbal zu wehren.“

Dunkel + Blond = Schokobaby

„Ja, mein Mann ist in Afrika geboren und hat dunkle Haut. Ich habe helle Haut und bin aus Oberschwaben. Unsere Tochter ist ein ‚Schokobaby‘, ein ‚Mischling‘, wie manche sie nennen.“

Aus Sicherheitsgründen möchte die Frau, die uns ihre Geschichte erzählt, anonym bleiben. Sie wohnt mit ihrer Familie in Baden-Württemberg und erlebt immer wieder Rassismus.

Alltagsrassismus ganz normal

„Die Polizei ruft bei uns an und will uns einen Flyer für Opfer von Rassismus schicken. Eine Frau gratuliert uns zur Hochzeit und fragt, ob mein Mann jetzt in Deutschland bleibt. Ein Autofahrer zeigt den Hitlergruß. Szenen meiner bikulturellen Ehe in Deutschland.“

Ihr Mann ist deutscher Staatsbürger – und war das auch schon vor ihrer Hochzeit, erklärt sie. „Das konnte auch eine Standesbeamtin kaum glauben und fragte mehrmals, ob ich wirklich sicher sei, dass er schon Deutscher ist. Ich bin sicher, verdammt nochmal!“

Einfach weghören oder aufregen?

Ihr Mann würde da nicht hinhören, erzählt sie. „Mir fällt das schwerer. Er überhörte einfach, dass ihm ein AfDler auf dem Marktplatz unserer Stadt eine AfD-Postkarte zur Lektüre empfahl. Es ging ums Deutschlernen. Lächerlich, dachte ich, gerade meinem Mann, der wahrscheinlich einen umfangreicheren Wortschatz hat, als einige, die in Deutschland geboren sind."

Ich ärgere mich, investiere Zeit, Energie und Emotionen. Mein Mann spart sich das.

Vom Bezahlen und 'Negerle-Puppen'

Beinahe belanglos erscheinen ihr im Vergleich dazu die kleinen Alltagssituationen, die sich immer wieder in ihr – „im Übrigen sehr schönes“ – afrodeutsches Familienleben schlichen:

„Wenn die Kellnerin sichtlich überrascht ist, dass mein Mann die Rechnung zahlt, die sie mir hingelegt hatte. Wenn Fremde ungefragt die Haare unserer Tochter anfassen. Wenn ich eine Puppe mit dunkler Haut will und mir ein ‚Negerle‘ angeboten wird.“

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