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Schrauben

SENDETERMIN So, 5.2.2017 | 10:45 Uhr | SWR Fernsehen

Vom Schraubenhändler zum Weltkonzern Würths Welt

In Künzelsau entsteht aus einem Zwei-Mann-Betrieb eine weltweit bekannte Firma mit Milliarden-Umsatz. Ein Stück Wirtschaftswunder-Geschichte der Nachkriegszeit.

Der Schraubenhändler

Alles begann vor 70 Jahren. Im Juli 1945 gründet Adolf Würth in der alten Künzelsauer Schlossmühle eine Schraubengroßhandlung. Nach dem frühen Tod des Vaters übernimmt Reinhold Würth die Firma, erweitert das Sortiment systematisch und schickt seine Außendienstmitarbeiter in die ganze Welt. Der Aufstieg Würths steht exemplarisch für den Erfolg anderer Firmen aus der Region Hohenlohe. Einst das Armenhaus Württembergs ist die Gegend rund um Schwäbisch Hall längst eine prosperierende Gegend mit Weltfirmen wie Berner, ebm-papst oder Ziehl-Abegg.

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Wiege des Unternehmertums in Hohenlohe

Die Schlossmühle in Künzelsau

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Die Suche nach einem Zufluchtsort und Startpunkt für ihre Unternehmungen im zerbombten Nachkriegs-Deutschland führt in den 1940er Jahren die unterschiedlichsten Menschen in die Schlossmühle in Künzelsau. Sie wird zur Keimzelle der Industrialisierung in der Region Hohenlohe.

Die Suche nach einem Zufluchtsort und Startpunkt für ihre Unternehmungen im zerbombten Nachkriegs-Deutschland führt in den 1940er Jahren die unterschiedlichsten Menschen in die Schlossmühle in Künzelsau. Sie wird zur Keimzelle der Industrialisierung in der Region Hohenlohe.

Die ersten, die sich in dort ansiedeln sind die Unternehmer Sigloch, Stahl und Ziehl. Alle Unternehmen sind heute im Elektro- oder Maschinenbau beziehungsweise in der Sicherheitstechnik erfolgreich und sind - wie die Ziehl-Abegg in Künzelsau – Hohenlohe als Firmenstandort treu geblieben.

Drei künftige Unternehmer drücken in Künzelsau gemeinsam die Schulbank: Reinhold Würth (mittlere Reihe, vierter v.li.) und Alfred Berner werden mit der Einschulung Klassenkameraden: Ein Jahr später kommt Georg Sturm (oberste Reihe, fünfter v. re.) dazu.

In Künzelsau starten die ehemaligen Klassenkameraden ins Berufsleben. Die Kriegsfolgen prägen sie, sind Triebfeder für rastloses Schaffen der drei. Charakterlich sind sie sehr unterschiedlich. Reinhold Würth tritt bereits mit 14 Jahren als Lehrling in den väterlichen Betrieb ein. In einem Nebengebäude der Schlossmühle beginnt er nach dessen Tod mit dem Ausbau des Schraubengroßhandels.

Der Handel mit Schrauben, Dübeln, Werkzeugen und Elektronikteilen im Direktvertrieb ist bis heute das Herzstück der inzwischen weltweit tätigen Unternehmensgruppe. Die Würth-Gruppe umfasst mehr als 400 Unternehmen in mehr als 80 Ländern. Der Umsatz beträgt rund 10 Mrd. €.

Seiner Heimat bleibt Reinhold Würth treu. Die Konzernzentrale steht in Künzelsau-Gaisbach. Von hier aus wird die Würth-Gruppe gesteuert. Würth ist noch immer der weltweit größte Schraubenhändler.

Albert Berner 1952. Der Metzgerssohn geht gemeinsam mit Reinhold Würth bei dessen Vater Adolf in die Lehre, aus den einstigen Klassenkameraden werden Kollegen. Mit 21 Jahren macht der ehrgeizige Sportler sich selbständig und wird zum Konkurrenten von Würth.

Berners erstes Büro 1960. 3000 DM, ein altes Auto und ein angemieteter Kellerraum sind das Startkapital des Schraubengroßhandels, den Albert Berner 1957 in Künzelsau gründet. Auch die Firma Berner handelt mit Material und Werkzeug für die Bau- und Handwerksbranche und setzt wie Würth auf den Direktvertrieb. Knapp 4500 Mitarbeiter sind heute im Außendienst tätig.

Der Hauptsitz der Berner Unternehmensgruppe in Künzelsau heute – kaum fünf Kilometer von Verwaltungszentrale der Firma Würth entfernt. Über die Jahre hat Albert Berner zahlreiche Handels- und Produktionsunternehmen gekauft. Heute ist das Unternehmen mit einem Umsatz von über 1 Mrd. € in mehr als 25 Ländern vertreten.

Auch Gerhard Sturm, der "Tüftler", (links im Bild) beginnt seine berufliche Laufbahn in Künzelsau. Er absolviert eine Lehre als Maschinenschlosser beim Elektrounternehmer Heinz Ziehl. Mit 28 Jahren gründet er im Jahr 1963 gemeinsam mit seinem Arbeitgeber die Elektrobau Mulfingen (ebm).

Die heutige Firmenzentrale der ebm-Pabst liegt nur rund 10 km von Künzelsau entfernt in Mulfingen im Jagsttal. Das Unternehmen entwickelt und produziert Ventilatoren, die sich heute in vielen Haushalten finden: in Heizungen, Klimaanlagen, Herden, Kühlschränken, Pumpen oder Dunstabzugshauben.

In der Zentrale in Mulfingen werden die Geschicke der Unternehmensgruppe gelenkt. Weltweit arbeiten für ebm-Pabst mehr als 11.000 Mitarbeiter, rund 3.000 davon im Stammhaus. Das Unternehmen ist Weltmarktführer bei Ventilatoren und macht einen Jahresumsatz von rund 1,5 Mrd. €.

Reinhold Würth, Gerhard Sturm und Albert Berner beim 80.Geburtstag von Gerhard Sturm. Ihre beruflichen Wege haben sich gelegentlich gekreuzt. Manches Mal haben sie sich als Konkurrenten gegenseitig angetrieben. Mit Fleiß, Geschäftssinn und Erfindungsgeist haben sie wesentlichen Anteil an der Entwicklung der Region Hohenlohe zu einem bedeutenden Wirtschaftszentrum in Baden-Württemberg.


Die Geschichte eines Golbal-Players

Wie kam es dazu? Wie konnte Reinhold Würth in nur einer Generation ein Unternehmen mit mehr als 10 Milliarden Euro Umsatz schaffen? Die Würth-Gruppe ist mit rund 400 unterschiedlichen Unternehmen in mehr als 80 Ländern vertreten, beschäftigt mehr als 66 000 Menschen. Eine unglaubliche Erfolgs-Story.

Würth Verwaltungsgebäude in Künzelsau

Würth Verwaltungsgebäude in Künzelsau

Ein Unternehmer hinterlässt Spuren

Daneben hat Reinhold Würth, der 2015 seinen 80. Geburtstag feiert, ein eigenes Kunst-Reich aufgebaut. Er besitzt heute die größte Privat-Sammlung Europas. Allein in Künzelsau und Schwäbisch Hall betreibt Würth drei Museen, fördert Hochschulen und unterstützt eigene Schulen. Gesellschaftliches Engagement ist ihm wichtig – und: gut für´s Image. Sein bislang spektakulärster Coup: Würth holt die millionenteure Madonna von Holbein nach Schwäbisch Hall. Und auch seine Frau Carmen engagiert sich. Gerade erst bekam ihr Künzelsauer "Hotel-Restaurant Anne Sophie" einen Michelin-Stern. Das Besondere an dem Haus: von den mehr als 60 Mitarbeitern hat ein Drittel ein Handicap. Keine Frage: Würth setzt Spuren.

Carmen und Reinhold Würth

Carmen und Reinhold Würth

Ein Film von Hanspeter Michel, Internetfassung: Lydia Egger