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Ingrid und Thomas Blank in der Gaststube des Brauerei-Gasthofs "Rössle" in Zwiefaltendorf

SENDETERMIN Do, 30.5.2019 | 13:00 Uhr | SWR Fernsehen

Erinnerungen aus dem Südwesten Wirtshäuser auf dem Land

Sie waren der große Treffpunkt vor allem der männlichen Dorfgemeinschaft – oft mit Brauerei, Metzgerei oder Landwirtschaft. Im Gastraum wuchsen auch die Wirtskinder auf. Ganze Biografien spielten sich zwischen Küche und Tresen ab - über Generationen hinweg.

Nach der Kirche ins Wirtshaus

In Zwiefaltendorf am Rand der Schwäbischen Alb hat Thomas Blank von seinen Eltern einen Brauerei-Gasthof übernommen. Schon als Kind musste er überall mit anpacken - Freizeit gab es so gut wie keine. Nur mit Mühe konnte seine Mutter durchsetzen, dass wenigstens am Sonntag ein Ruhetag eingeführt wurde. Sehr zum Ärger des Stammtischs, der dann nicht wusste, wohin nach dem Kirchgang. Später beschloss Thomas Blank, auf keinen Fall den Betrieb der Eltern zu übernehmen. Doch nachdem er eine Brauer-Ausbildung gemacht hatte, wuchs die Lust am Handwerk und heute ist er mit Herzblut Brauer und Wirt im Gasthof Rössle.

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Wirtshaus-Geschichte(n)

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Der Stammtisch im Wirtshaus ist lange Zeit eine reine Männer-Angelegenheit. An Festtagen aber sind Gasthäuser Treffpunkt der Dorfgemeinschaft - von jung bis alt. Hier wird getrunken, getanzt und gefeiert.

Der Stammtisch im Wirtshaus ist lange Zeit eine reine Männer-Angelegenheit. An Festtagen aber sind Gasthäuser Treffpunkt der Dorfgemeinschaft - von jung bis alt. Hier wird getrunken, getanzt und gefeiert.

Brigitte Holstein war 40 Jahre lang Chefin im Gasthof Adler im oberschwäbischen Grüningen: "In die Wirtschaft ging man zum Bier trinken und um sich zu unterhalten. Zu essen gab es anfangs nicht viel."

Stützpunkt für Melkmaschinenvertreter und Handelsreisende: Ende der1950er Jahre wandelt sich der Adler von der Bauernwirtschaft zum Gasthof mit Übernachtungsmöglichkeit.

Thomas Blank aus Riedlingen am Rande der Schwäbischen Alb muss als Kind in der Wirtschaft aushelfen. Zum Wirt fühlt er sich zunächst nicht berufen.

Frisches aus der Hausbrauerei: Thomas Blank schenkt im Gasthaus Rößle in Zwiefaltendorf Bier aus dem eigenen Felsenkeller aus.

Hundert-Stunden-Woche: Walter Schabel, Gastwirt und Metzger übernimmt 1961 das Gasthaus Ochsen in Remseck am Neckar, damals noch mit Metzgerei.

Tellersülze mit Schweinefüßen: Am Schlachttag in der Wirts-Metzgerei werden alle Teile eines Tieres zu schmackhaften Gerichten verarbeitet.

Land- und Gastwirt Gebhard Nuding. Er wird 1947 im Gasthof zum Löwen in Schwäbisch Gmünd geboren.

Wohnzimmer und Spielplatz: Gebhard Nuding verbringt seine Kindheit in der Nachkriegszeit im und um das Wirtshaus seiner Eltern.

Ilsetraud Walter aus Forchtenberg- Sindringen im Kochertal: "Die Wirtschaft war unser Wohnzimmer". Eine eigene Küche oder ein Wohnzimmer für die Familie gab es in ihrer Kindheit nicht.

Bäckerei mit Weinstube: Bei "Feyerabend" in Bad Wimpfen werden seit über 120 Jahren Gäste bewirtet.

Udo Schachtsiek. Der Koch und Konditor aus Bad Wimpfen hat viele Veränderungen auf der Speisekarte erlebt.

In der Gaststätte "Zum Jägerhaus" verlief die Grenze einst mitten durchs Haus. Zwischen Belgien und Rheinland-Pfalz wurde in den 1970er Jahren noch streng kontrolliert.

Peter Schröder: Seine Vorfahren schenken seit 1855 im "Jägerhaus" an der deutsch-belgischen Grenze Bier aus.

Beliebtes Ausflugsziel für Wanderer: 1908 wird im Pfälzerwald die erste bewirtschaftete Hütte eröffnet: das Kalmithaus.

Einkehr mit Aussicht: Klaus Frölich (Bildmitte mit Kappe), ehemaliger Wirt des Kalmithauses vor der Hütte.

Hüttenleben: Eine Rast mit Vesper – essen, trinken, schwätzen. Selbstbedienung ist Standard.

Es gibt es noch hier und da: Das alte Wirtshaus, familiengeführt mit Plausch an der Theke und den großen Portionen Wurst oder Fleisch.

Die Grenz-Schenke

Auch die Eltern von Peter Schröder führten eine Gaststätte: Zum Jägerhaus. Das Besondere: Die Landesgrenze verlief mitten durch das Haus! Die Schröders wohnten in Rheinland-Pfalz, der Gastraum lag auf belgischer Gemarkung. Da gibt es viel zu erzählen. Es ist ein Haus mit einer besonderen Tradition, denn es war ursprünglich ein Forsthaus, das schon 1855 eine "Genehmigung zum Ausschank gegorener Getränke" erhielt und über Generationen im Familienbesitz war. Peter Schröder kann sich gut an die langen Arbeitstage seiner Mutter erinnern, die die Gaststätte neben einer Landwirtschaft betrieb. Denn bevor in der Gegend der Tourismus einsetzte, warf eine Gastwirtschaft nicht genügend ab. Da war das Zubrot von der Feldarbeit einfach bitter nötig.

Stammtisch und Melkmaschinen-Vertreter

Auch Brigitte Holstein war jahrelang Wirtin, im Adler in Grüningen in Oberschwaben. Der Adler ist das einzige Wirtshaus im Dorf, das die Zeit überdauert hat. Brigitte Holstein erzählt von den Anfängen, als kaum jemand zum Essen in die Wirtschaft kam - es gab höchstens ein paar Spiegeleier oder ein Vesper. Stattdessen kam man zum Biertrinken und zur Unterhaltung. Als der Adler dann Fremdenzimmer einführte, machten Reisende ab den sechziger Jahren einen großen Teil der Kundschaft aus: Vertreter für Melkmaschinen oder Gummibärchen kamen oft über Jahre immer wieder. Dabei entstanden Freundschaften mit der Familie der Wirtin, die weit über das Arbeitsleben hinaus andauerten.

Hüttenflair im Pfälzerwald

Klaus Frölich ist begeisterter Wanderer und Urgestein des Pfälzerwald-Vereins. Für ihn gehört zum richtigen Wandern selbstverständlich der Besuch einer Wanderhütte dazu. Mehr als hundert solcher Einkehrmöglichkeiten gibt es heute im Pfälzerwald-Gebiet. Die erste entstand vor mehr als 100 Jahren, um den Wanderern eine günstige, einfache Einkehrmöglichkeit zu bieten. Viele haben ein Angebot und Flair wie früher, mit langen Tischen, an denen es schnell gesellig wird. Und Klaus Frölich ist überzeugt: Ein guter Hüttenwirt ist auch so etwas wie die Seele des Vereins.

Wie war das damals in den Dorfgasthäusern? Was hat sich bis heute gehalten? Erzählungen aus Kindheitstagen und viele große und kleine Begebenheiten setzen sich sich zusammen zu einem lebendigen Panorama über das Leben in den Gasthäusern früher.

Ein Film von Elmar Babst, Holger Wienpahl und Elke Wißmann