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Woldemar Mammel hält Linsen in den Händen

SENDETERMIN So, 7.7.2019 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Alte Sorten im Südwesten Von den Wurzeln des Geschmacks

Wie das Spitzkraut von den Fildern sind viele Sorten unserer Kulturpflanzen fast verschwunden. Es gibt Menschen, die sie bewahren - für die Zukunft könnte das enorm wichtig werden.

Schätze vom Acker

Der Acker von Rosa Stöckle aus Heiligenberg am Bodensee ist ihre Schatzkiste. Ihre Schätze bestehen aus Stärke - es sind seltene Kartoffelsorten, denen sie ihre ganze Leidenschaft schenkt. Das kleine Feldstück ist wie ein Archiv. Das gilt auch für Schau- und Erhaltungsgarten der Intitiative SaatgutBildung bei Freiburg. Dort pflanzen Maria Schlegel und Nicolas Dostert alte Gemüsesorten, die sie in Schrebergärten und auf Bauernhöfen finden.

Vielfalt, Geschmack, Genreserve

Die Kartoffel vom Bodensee, die Linse von der Schwäbischen Alb, das Spitzkraut von den Fildern, die Hartblau-Rebe aus der Pfalz. Auf dem Markt sind sie kaum mehr zu finden. Viele alte Hof- und Gartensorten werden von modernen Züchtungen verdrängt, die ertragreicher und besser zu lagern sind. Dafür sind sie aber oft nicht so gut im Geschmack. Doch es geht nicht nur eine große Vielfalt an Aromen verloren, sondern auch eine wertvolle Genreserve. Diese Reserve ist wichtig für die Zukunft, denn manch alte Sorte kommt besser mit dem Klimawandel zurecht oder sie ist resistent gegen eingeschleppte Krankheiten.

Forscher als Sortenschützer

Auch Forscher interessieren sich für die alten Sorten. In der Staatsschule für Gartenbau in Stuttgart Hohenheim werden die alten Filderkraut-Sorten gepflegt, die traditionell auf der Hochebene südlich von Stuttgart wachsen. Weil ihre Vermehrung sehr aufwändig ist, kaufen die meisten Landwirte inzwischen lieber Jungpflanzen aus modernen Züchtungen. Die Schule übernimmt die Jungpflanzenaufzucht alter Sorten und hilft so, das traditionelle Spitzkraut zu erhalten.

Von St. Petersburg auf die Schwäbische Alb

Manchmal gleicht es fast einem kleinen Wunder, wenn eine alte Kulturpflanze nicht ganz verloren geht. In den 1980er Jahren machte sich Landwirt Woldemar Mammel auf die Suche nach den Linsen, die früher auf der Schwäbischen Alb wuchsen. Sie wurden nirgendwo mehr angebaut. Erst im Archiv der ältesten Genbank der Welt, dem Wawilow Institut in St. Petersburg, fand er sie und erhielt etwas Saatgut. Seither wachsen die Linsen wieder auf vielen Äckern der Schwäbischen Alb.

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So, 7.7.2019 | 20:15 Uhr

SWR Fernsehen