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Der Rhein bei Kehl-Straßburg mit der Europabrücke

SENDETERMIN So, 9.10.2016 | 21:00 Uhr | SWR Fernsehen

Straßburg und Kehl Zwei Grenzstädte mit bewegender Geschichte

Die französische Stadt Straßburg und die deutsche Stadt Kehl sind nur durch den Rhein getrennt. Ihre gemeinsame Lage an der Grenze führte zu einer wechselvollen Geschichte.

Zwei Städte, ein Schicksal

Die französische Stadt Straßburg ist berühmt als Europastadt mit Sitz des europäischen Parlaments. Weniger bekannt ist die deutsche Nachbarstadt Kehl, die der Rhein von Straßburg trennt. Beide Städte haben ein gemeinsames Schicksal, in dem die Verschiebung der Grenze zwischen Frankreich und Deutschland je nach politischer Lage eine wichtige Rolle gespielt hat. Heute bildet der Fluss die deutsch-französische Grenze. Doch beide Städte gehörten im Laufe ihrer Geschichte auch schon gemeinsam zu Deutschland oder gemeinsam zu Frankreich. Wie unter einem Brennglas zeigt sich an ihrem Schicksal die europäische Historie.

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Geschichte zweier Grenzstädte am Rhein

Lebens-Grenzen

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Kehl und Straßburg: Die beiden Grenzstädte am Rhein verbindet eine lange Geschichte von Krieg und Frieden, Trennung und Wiederbegegnung. Die Skulptur einer Umarmung über einen Spalt hinweg steht dafür als Symbol. Bei vielen Bewohnern hat die wechselhafte Geschichte tiefe Spuren in der eigenen Biografie hinterlassen.

Kehl und Straßburg: Die beiden Grenzstädte am Rhein verbindet eine lange Geschichte von Krieg und Frieden, Trennung und Wiederbegegnung. Die Skulptur einer Umarmung über einen Spalt hinweg steht dafür als Symbol. Bei vielen Bewohnern hat die wechselhafte Geschichte tiefe Spuren in der eigenen Biografie hinterlassen.

Die Statue der "Mutter Kinzig" sollte einst auf der ersten Eisenbahnbrücke zwischen Kehl und Straßburg gemeinsam mit ihrem Pendant auf französischer Seite die Eintracht zwischen beiden Ländern demonstrieren. Als die Brücke 1870 im deutsch-französischen Krieg gesprengt wurde, versank die Statue im Rhein. Jahre später wiedergefunden, steht sie heute am Marktplatz in Kehl .

Den Tag im November 1944, an dem die Alliierten Straßburg von der deutschen Besatzung befreiten und die deutsche Bevölkerung Kehl verlassen musste, hat Helmut Schneider aus Kehl als "Weltuntergang" in Erinnerung. Der Verlust der Heimat traf den damals 16-Jährigen tief.

Die Räumung Kehls und der grenznahen Gemeinden verlief chaotisch. Innerhalb kürzester Zeit mussten die Menschen in strömendem Regen ihr Zuhause zu Fuß verlassen und sich in der Fremde eine Unterkunft suchen.

Die Ausstellung "Zwischenzeit: Kehl von 1944 bis 1953" im Hanauer Museum in Kehl erinnert an die Flucht 1944. Sie zeigt Objekte, die die Kehler damals mitnahmen.

"Zwischenzeit: Kehl von 1944 bis 1953", Hanauer Museum Kehl, bis 27.11.2016

Georg Hornung stammt aus dem ländlichen Kehler Ortsteil Sundheim. Die Bäcker und Landwirte seiner Familie betrieben regen Handel mit Frankreich. Nach der Evakuierung 1944 durften die Sundheimer früher als die restliche Bevölkerung heimkehren. Familie Hornung nahm viele Flüchtlinge bei sich auf.

Die Französin Germaine Keller wohnte ab 1945 als Kind mit ihren Eltern in einer Villa in Kehl, das von 1944 bis 1953 von den Franzosen annektiert wurde. Diese Zeit hat sie in schöner Erinnerung behalten. Sie war traurig, als die Familie nach der Rückgabe von Kehl an Deutschland umziehen musste.

Zeichen der Versöhnung: eiserne "Grenzrose" am Rhein. Sowohl auf deutscher als auch auf französischer Seite sind mehrere dieser Stahlskulpturen aufgestellt. Die Grenzrosen erinnern an Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg.

Der "Garten der zwei Ufer" erstreckt sich zwischen Straßburg und Kehl am beiderseitigen Rheinufer.

Wechselvolle Geschichte

In drei Kriegen wurden die Städte abwechselnd von den Nachbarn besetzt. Straßburg wurde 1870 von deutschen Truppen belagert, großflächig zerstört und zum Teil des Deutschen Reiches. 1918 ging es zurück an Frankreich, doch bereits im Jahre 1940 wurde die Stadt wieder von den Deutschen besetzt. Kehl wurde nach dem Zweiten Weltkrieg acht Jahre lang von französischen Truppen annektiert und erst 1953 freigegeben. Währenddessen war die deutsche Bevölkerung vollständig evakuiert. Dieses Hin und Her traf Menschen, die einen gemeinsamen Kultur- und Sprachraum bildeten und die sich oft mehr der historisch gewachsenen Region als der jeweiligen Nationalregierung verbunden fühlten. Für viele bedeutete das eine gewaltsame Trennung über Generationen hinweg.

Der Place Broglie mit dem Krieger Denkmal in Straßburg

Der Place Broglie mit dem Krieger Denkmal in Straßburg

Nachbarn im vereinten Europa

Heute liegen die beiden Nachbarstädte im Herzen eines vereinten Europas. Seit 2004 verbinden nicht nur Auto- und Eisenbahnbrücken, sondern auch eine Fußgängerbrücke die beiden Städte. Diese viel genutzte "Passerelle des Deux Rives", der "Steg der zwei Ufer" überspannt den Rhein als Symbol für ein friedliches Zusammenleben der beiden Länder.

Der Film erzählt die bewegende gemeinsame Geschichte der letzten 150 Jahre und zeigt wie einzelne Familien und deren Nachbarn und Freunde die Wechsel erlebt haben.

Ein Film von Tamara Spitzing, Internetfassung: Lydia Egger