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Angeklagte im Gerichtssaal Stammheim (Zeichnung)

SENDETERMIN So, 15.10.2017 | 10:50 Uhr | SWR Fernsehen

Geschichte eines Terror-Prozesses Stammheim - Die RAF vor Gericht

Der Stammheimer Prozess gegen die Führung der RAF sollte den Terrorismus juristisch beenden, doch er spaltete die Gesellschaft und trug dazu bei, dass die Gewalt im "Deutschen Herbst" eskalierte.

Die RAF ist besiegt?

1974 scheint der Terrorismus in der Bundesrepublik schon fast besiegt: Der harte Kern der Rote Armee Fraktion ist verhaftet, die Studentenproteste flauen ab. Die Verurteilung der RAF-Mitglieder Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in einem ordentlichen Prozess werde dem Spuk ein Ende bereiten - glauben viele damals.

Der Terror kehrt zurück

Doch dann werden die Jahre 1974 bis 1977 zu den blutigsten in der Geschichte des linken Terrors in der Bundesrepublik. Attentate und Geiselnahmen halten die Öffentlichkeit in Atem, der Staat wehrt sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln. Unschuldige geraten zwischen die Fronten. Am Ende steht mit der Entführung Hanns Martin Schleyers und der Lufthansamaschine "Landshut" der "Deutsche Herbst", die größte innenpolitische Krise der Bundesrepublik.

Der Stammheimer Prozess

Der Stammheimer Prozess gegen die Führung der RAF ist ein Schlüsselereignis für die Geschichte und für das Verständnis des "Deutschen Herbstes", der sich 2017 zum 40. Male jährt. Der neue, hochgesicherte Gerichtssaal auf dem Gelände des Stammheimer Untersuchungsgefängnisses wird zum Schauplatz erbitterter Kämpfe zwischen Angeklagten und Staatsanwälten, Richtern und Verteidigern. Hungerstreiks, Abhörskandale, Vorwürfe wegen Isolationsfolter und Selbstmorde in der Haft erschüttern die Republik. Statt den Terrorismus juristisch aufzuarbeiten, spaltet der Prozess die Gesellschaft und trägt zur Eskalation der Ereignisse bei. Als am 28.April 1977 das Urteil verkündet wird, ist Ulrike Meinhof bereits tot, die drei anderen werden zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt.

Die JVA Stuttgart-Stammheim - Außenansicht

Die JVA Stuttgart-Stammheim

Richter zwischen zwei Fronten

Doch warum konnten die Ereignisse und der Prozess derartig eskalieren? Wer trägt Schuld daran? Hätte die Eskalation vermieden werden können? Das sind die Fragen, denen der Film nachgeht. Erstmals hat für diesen Film der Vorsitzende Richter Theodor Prinzing (91) ein ausführliches Interview gegeben. In ihm enthüllt er nicht nur, dass eigens für den Prozess erlassene Sondergesetze auf Hinweise des Gerichts zurückgingen. Er spricht auch zum ersten Mal über ein familiäres Drama, das sich hinter den Kulissen abspielte: Seine Tochter Gabriele (die in diesem Film zum ersten Mal ein Interview gibt) war auf der Seite der RAF-Sympathisanten und nahm an RAF-nahen Veranstaltungen teil, auf denen ihr Vater als Mörder beschimpft wurde.

Theodor Prinzing

Theodor Prinzing

Zeitzeugen im Interview

Zu Wort kommen außerdem Beteiligte von damals: Richter im Stammheimer Prozess wie Kurt Breucker und Eberhard Foth, Verteidiger wie Hans-Christian Ströbele und Rupert von Plottnitz sowie Journalisten und Historiker. Die Eskalation jener Zeit beschreiben aus unterschiedlicher Perspektive der Theatermacher Claus Peymann und der Filmemacher Andres Veiel, damals Mitglied der Jungen Union in Stuttgart. Mit ihrer Hilfe rollen wir den Prozess von damals noch einmal auf, konfrontieren die Zeitzeugen mit ihren Entscheidungen und versuchen zu verstehen, wie es zu dieser Eskalation kommen konnte.


Film von Thomas Schuhbauer und Sonja von Behrens

Sendung vom

So, 15.10.2017 | 10:50 Uhr

SWR Fernsehen

Ein Mann (Wolfgang Seliger) fährt mit einem Boot auf dem Bodensee und blickt ins Abendrot

Im Gespräch: Terror-Opfer Seliger

"Hass und Rache bringen nichts"

Der Polizist Wolfgang Seliger hat die Schießerei mit zwei RAF-Terroristen in Singen vor 40 Jahren nur mit Glück überlebt. Warum die Situation damals derart eskalierte, erzählt er im Gespräch.