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Die Mietskasernen aus dem 19. Jahrhundert in Mannheim

SENDETERMIN Do, 31.8.2017 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen BW

Arbeitersiedlungen in Mannheim Rote Fahnen, grüner Rasen

Gibt es die klassischen Arbeiter noch? Das typische Proletarierleben vergangener Tage ist sicher Nostalgie. Den bewussten Gemeinschaftsgedanken aber gibt es noch heute. In den Arbeitersiedlungen in Mannheim ist er erstaunlich lebendig.

Gartenstadt für Genossen

Manches in den Mannheimer Arbeitersiedlungen erinnert noch an die Arbeiterbewegung: viel Grün, Gärten und kein weiter Weg zur Arbeit. Michael Fellhauer, Betriebsrat bei Benz in Mannheim, wohnt mit seiner Familie in der Genossenschaft Gartenstadt. Er ist zufrieden, hier würde er nie wegziehen, denn die Arbeiterhäuschen mit Garten haben ihren Reiz und sind dank der Genossenschaft finanzierbar.

Gemeinsam anpacken

In der Genossenschaft zu wohnen, das hat auch mit dem politischen Selbstverständnis zu tun. Die Nachbarn sind fast alle in der Gewerkschaft und SPD-nah, die Arbeiterbewegung macht Teil ihrer persönlichen Geschichte und Heimat aus. Walter Spagerer ist ein Arbeiterführer des alten Schlags. Mit seiner Frau Karla wohnt er im "Roten Norden" Mannheims, der sich mit Straßennamen wie "Zäher Wille", "Frohe Arbeit" und "Freie Luft" schmückt.

Walter Spagerer

Walter Spagerer, ein Arbeiterführer alten Schlags, singt auf einer Mai-Kundgebung in Mannheim.

Im "Roten Norden" Mannheims

150-jähriges Jubiläum feiert die politische Arbeiterbewegung inzwischen, die Spagerers waren fast ein Jahrhundert dabei. Sie wissen noch, wie die Arbeiterhäuser vor den Toren der Fabrik entstanden und erlebten die großen Pleiten der 1980er mit dem Niedergang der städtischen Industrie. Ob Erfolg oder Fehlschlag, eine Schicksalsgemeinschaft zu sein, bildete in den Arbeitersiedlungen schon immer den Kitt für ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl.

Ein Film von Ursula Schlosser