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Statue von Prinz Max von Baden

SENDETERMIN So, 10.6.2018 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Prinz Max von Baden Kanzler zwischen Kaiserreich und Republik

Am 9. November 1918 verkündet Reichskanzler Max von Baden die Abdankung von Kaiser Wilhelm II. und macht damit den Weg für die erste Demokratie in Deutschland frei.

Hoffnungsträger in der Krise?

Herbst 1918. Seit mehr als vier Jahren tobt der Erste Weltkrieg. Millionen von Soldaten sind gestorben. Die deutsche Niederlage ist unabwendbar. In dieser Krise wird ein politisch unerfahrener Mann zum Reichskanzler ernannt: Prinz Max von Baden. Was bewegt den Aristokraten und Schöngeist, auf der großen politischen Bühne zu agieren?

Aristokrat und Schöngeist

Als junger Mann ist der Neffe von Großherzog Friedrich I. von Baden den schönen Künsten zugetan. Er spielt Klavier, liest viel und interessiert sich für neue Sprachen. Die Öffentlichkeit sucht er nicht. Nach dem Tod seines Vetters Ludwig jedoch rückt Prinz Max von Baden an zweite Stelle in der Thronfolge auf. Persönliche Wünsche und Interessen müssen fortan hinter den Pflichten am Hof zurückstehen.

Prinz Max mit seinem Vetter Prinz Ludwig

Prinz Max mit seinem Vetter Prinz Ludwig. Der frühe Tod Ludwigs im Jahr 1888 bedeutet für Prinz Max einen dramatischen Wendepunkt in seinem Leben. Prinz Max rückt in der Thronfolge auf und muss für den dynastischen Fortbestand des Hauses Baden sorgen.

Zwischen Pflicht und Neigung

Prinz Max fühlt sich eher zu Männern hingezogen als zu Frauen. Doch da sein anderer Vetter, der spätere Großherzog Friedrich II., kinderlos bleibt, lastet der Druck, für den Fortbestand des Hauses Baden zu sorgen, auf ihm. Er heiratet im Jahr 1900. Nachdem sich auch nach mehreren Jahren kein Nachwuchs einstellt, lassen sich Prinz Max und seine Frau Marie Luise auf Capri von einem Arzt therapeutisch beraten.

Zu den geistigen Mentoren und engen Vertrauten des Prinzen zählen der evangelische Theologe Johannes Müller ebenso wie Cosima Wagner, die Witwe des Komponisten Richard Wagner. Sie ist eine Art Ersatzmutter und Seelentrösterin. Mit Johannes Müller kann Prinz Max von Baden über seine Homosexualität sprechen.

Hochzeitsfoto von Prinz Max von Baden und Prinzessin Marie Louise von Cumberland

Im Jahr 1900 heiratet Prinz Max von Baden Prinzessin Marie Louise von Cumberland.

Vom Reichskanzler zum Schulgründer

Im Ersten Weltkrieg engagiert sich der Prinz in der Gefangenenfürsorge und vermittelt zwischen den Kriegsparteien. Dadurch empfiehlt er sich für eine Rolle in der Politik. Als sich die militärische Lage Deutschlands im Herbst 1918 dramatisch verschlechtert, bringt Prinz Max sich selbst für das Amt des Reichskanzlers in Position. Darin wird er von vielen bestärkt, die in ihm einen Hoffnungsträger sehen.

Am 3. Oktober 1918 wird Prinz Max zum Reichskanzler ernannt. Er soll einen Waffenstillstand aushandeln und die Monarchie in Deutschland retten. Doch als der Druck von der Straße zunimmt, verkündet er am 9. November 1918 die Abdankung von Kaiser Wilhelm II. Das Amt des Reichskanzlers übergibt er an den Sozialdemokraten Friedrich Ebert und macht damit den Weg für die erste Demokratie in Deutschland frei.

Nach seiner Reichskanzlerschaft zieht sich Prinz Max nach Schloss Salem am Bodensee zurück. Hier verbringt er die letzten Jahre seines Lebens und gründet das bekannte, noch heute bestehende Internat.

Schloss Salem

Nach dem Ersten Weltkrieg gründet Prinz Max das Internat Schloss Salem, das noch heute existiert.

Die Dokumentation begleitet Bernhard Prinz von Baden, den Urenkel des Reichskanzlers, und den Historiker Konrad Krimm auf einer historischen Spurensuche.

Ein Film von Holger Preuße