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Pfalzgeschichten - Schriftzug vor Weinreben

SENDETERMIN So, 20.8.2017 | 21:00 Uhr | SWR Fernsehen

Pfalzgeschichten Schuster, Hausierer und Eisenbarone

Während die Menschen in der lieblichen Vorderpfalz mit dem milden Klima und den fruchtbaren Böden von der Landwirtschaft gut leben können, ist das Überleben im Pfälzer Wald und in der Westpfalz schwierig und hart. Die Pfälzer, die hier oben ihren Lebensunterhalt bestreiten wollen, müssen andere Einnahmequellen finden.

Markante Wahrzeichen

Bizarre Buntsandsteinfelsen sind markante Wahrzeichen des Pfälzer Waldes. Der Buntsandstein entstand vor 250 Millionen Jahren in einem Wüstenklima. Sein rötliches Farbspiel rührt von Eisenoxiden, fein verteiltem Eisenerz, das die Quarzkörner umhüllt. Auf diesen Eisenerzen, Wasser und dem reichlich vorhandene Holz gründet die Industrialisierung im Pfälzer Wald.

Eisen und Stahl aus dem Pfälzer Wald

Schon Kelten und Römer nutzten Eisenerz aus dem Pfälzer Wald. Im 19. Jahrhundert werden aus kleinen Schmieden und Hammerwerken große Industriebetriebe. Nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges kommt Pierre Guinand, ein Schmied aus der Schweiz, als Neusiedler in die Pfalz. Er und seine Söhne gründen mehrere Eisenschmieden, zunächst in Neustadt, Edenkoben, Lambrecht, dann immer tiefer im Pfälzer Wald. Um 1800 übernimmt die Familie, die sich in Gienanth umbenennt, den Eisenhammer in Eisenberg. Hier errichtet sie eine Anlage für die Herstellung von Gussstahl, die bis heute in Betrieb ist. Im 19. Jahrhundert ist Gienanth der größte Arbeitgeber der Pfalz.

Schmid arbeitet am Amboß

Schon Kelten und Römer nutzten Eisenerz aus dem Pfälzer Wald. Im 19. Jahrhundert werden aus kleinen Schmieden und Hammerwerken große Industriebetriebe

Baustoff Sandstein

Jahrhunderte lang sind Steinbrüche ein wichtiger Wirtschaftszweig. Aus dem roten Sandstein werden die Burgen im Pfälzer Wald errichtet, der Dom zu Speyer und die Häuser der Dörfer im Vorland.

Steinbruch - historische Aufnahme

Steinbruch

Die Ramberger Bürstenbinder

In Ramberg und Umgebung spezialisieren sich die Bewohner auf die Herstellung von Bürsten und Besen. 100 Jahre lang ist hier die Hochburg der deutschen Besen- und Bürstenbinderei, die Ramberger Bürstenbinder sind in ganz Europa bekannt.

Maria Dietrich beim Bürstenbinden

Ramberg war im 19. Jahrhundert weit über die Pfalz hinaus für seine Bürstenbinder und Bürstenhändler bekannt. Maria Dietrich beherrscht das alte Handwerk noch.

Schuhstadt Pirmasens

Not macht erfinderisch - so ist der Beginn der Schuhindustrie am besten beschrieben. Im 18. Jahrhundert verlegt der Erbprinz von Hessen seine Residenz nach Pirmasens und stellt zwei Grenadierregimenter auf. Nach seinem Tod wird die Residenz wieder aufgelöst, die Soldaten werden arbeitslos. Aus Wolle und dem Stoff ihrer Uniformen beginnen sie, Hausschuhe herzustellen und begründen damit den Ruf von Pirmasens als "Schuhstadt". Aus Heimarbeit wird Fabrikarbeit, tausende von Menschen finden in den Schuhfabriken oder in den Zulieferbetrieben Arbeit, sind als Gerber oder Rindenschäler tätig. Erst in den letzten Jahrzehnten verliert die Schuhindustrie in der Pfalz an Bedeutung - aber produziert wird noch immer.

Stepperinnen in einer Fabrikhalle Mitte des 19. Jahrhunderts - nachgestellte Szene

Stepperinnen in einer Pirmasenser Schuhfabrik Mitte des 19. Jahrhunderts

Ein Film von Tilman Büttner