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Pfalzgeschichten - Schriftzug vor Weinreben

SENDETERMIN So, 20.8.2017 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Pfalzgeschichten Neusiedler und Auswanderer

Weinberge, Mandelblüte, Feigen und Pfirsiche - die Pfalz gilt als die "Toskana Deutschlands". Schwer vorstellbar, dass das Leben für die Menschen in dieser "gesegneten Landschaft" jahrhundertelang vor allem von Kriegen und Not geprägt war, dass sie immer wieder von vorne anfangen mussten und dass viele Pfälzer keinen anderen Ausweg sahen, als ihre Heimat zu verlassen.

Tod und Verwüstung im 17. Jahrhundert

Der Dreißigjährige Krieg und vor allem der Pfälzische Erbfolgekrieg hinterlassen Tod und Verwüstung in der Pfalz. Nahezu 80 Prozent der Bevölkerung werden vertrieben oder getötet, ihre Dörfer, ihre Kirchen, die mächtigen Dome und Burgen zerstört.

Neue Siedler

Aus ganz Europa werden damals Siedler in die Pfalz geworben: Tiroler, Italiener, Sachsen, Luxemburger, vor allem wegen ihrer Religion Verfolgte wie die Mennoniten aus der Schweiz oder die Hugenotten aus Frankreich. Sie alle finden in der Pfalz Zuflucht und ein neues Zuhause. Aus ihrer alten Heimat bringen sie ihre Kenntnisse mit, neue Landbaumethoden, die Art, ihre Häuser zu bauen oder neue Kulturpflanzen wie den Tabak oder die "Grumbeere".

Mennoniten vor der Kulisse des Pfälzerwaldes - Spielszene

Mennoniten aus der Schweiz kommen nach dem Dreißigjährigen Krieg als neue Siedler in die Pfalz.

Hartes Leben im Pfälzer Wald

Die neuen Siedler lassen sich auch im Pfälzer Wald nieder. Hier ist das Leben ungleich schwerer als in der Ebene, die Böden sind karg und werfen kaum Ertrag ab. Die Menschen leben von allem, was der Pfälzer Wald hergibt, Pilzen, Beeren und den Esskastanien, "Keschte" genannt. Das Vieh wird auf die Waldweide getrieben, die Schweine suchen sich ihr Futter in den Eichen- und Buchenwäldern. Laub und Ästchen dienen als Streu im Stall, denn Stroh ist wertvolles Viehfutter. Mit der Einführung der Kartoffel verbessert sich die Versorgung, denn die anspruchslose "Grumbeere" ist anspruchslos. Dennoch reicht das Wenige kaum zum Überleben, bedrohen Missernten oder das Verbot, Holz zu sammeln die Existenz.

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Leben im Pfälzer Wald

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Karges Land
Das Leben der Bauern im Pfälzer Wald ist hart. Die kargen Böden werfen nur wenig ab. Die Menschen leben von allem, was die Natur hergibt.

Karges Land
Das Leben der Bauern im Pfälzer Wald ist hart. Die kargen Böden werfen nur wenig ab. Die Menschen leben von allem, was die Natur hergibt.

Waldland Pfalz
Wald, so weit das Auge reicht. Der Pfälzer Wald ist das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands.

Waldweiden
Im Pfälzer Wald gibt es kaum offenes Weideland. Jahrhunderte lang treiben die Bauern ihr Vieh in den Wald, wo die Tiere Eicheln, Bucheckern und junge Triebe fressen.

Holz und "Streusel"
Nicht nur das Brennholz kommt aus dem Wald. Laub und kleine Äste - "Streusel" - sammeln die Bäuerinnen als Einstreu für den Stall. Stroh ist wertvolles Tierfutter.

Auf der Flucht
Von 1618 bis 1648 wütet der Dreißigjährige Krieg in ganz Europa. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung der Pfalz werden getötet oder vertrieben.

Spuren einer bewegten Vergangenheit
Ruinen aus rotem Sandstein im Pfälzer Wald. Hunderte von Burgen werden im Dreißigjährigen Krieg zerstört.

Hoffnung auf eine bessere Zukunft
Mennoniten aus der Schweiz kommen nach dem Dreißigjährigen Krieg als Neusiedler in die Pfalz. In ihrer Heimat werden sie wegen ihres Glaubens verfolgt.

Schindelhäuser
Die Siedler aus der Schweiz bringen ihre Art, Häuser zu bauen, mit in die neue Heimat. Schindelhäuser sind lange Zeit typisch in der Pfalz.

Tabak
Den Tabak brachten vermutlich Hugenotten mit, die sich in der Südpfalz ansiedeln. Tabakanbau und die Herstellung von Zigarren sind lange ein wichtiger Wirtschaftszweig.

Die "Grumbeere"
Auch ein Mitbringsel der Neusiedler: Die Kartoffel , pfälzisch "Grumbeere". Sie gedeiht gut auf den kargen Böden und ist lange Zeit Hauptnahrungsmittel für die Menschen im Pfälzer Wald.

Not macht erfinderisch
Das Herstellen von Bürsten und Besen wird in manchen Regionen des Pfälzer Waldes ein wichtiger Wirtschaftszweig. Bürsten- und Besenbinder aus Ramberg verkaufen ihre Waren in halb Europa.

Eisenberg - das "Ruhrgebiet" der Pfalz
Schon Kelten und Römer schmolzen Eisenerz aus dem Buntsandstein des Pfälzer Waldes. Ab dem 18. Jahrhundert gründet die Familie Gienanth ein Eisenimperium.

Musikantenland Westpfalz
Mackenbacher erkennen früh, dass sich mit Musik Geld verdienen lässt. Wandermusiker aus der Westpfalz ziehen durch die ganze Welt.

Von der Pfalz in die Welt

Immer wieder bleibt vielen nichts anders übrig, als ihre Heimat zu verlassen und auszuwandern. Vor allem in Nord- und Südamerika, aber auch in Osteuropa finden sie ein neues Zuhause. Ein paar findige Pfälzer werden zu Berufsmusikern. Zunächst spielen sie auf Dorffesten und Hochzeiten in der näheren Umgebung, später bereisen sie ganz Deutschland, und ab Mitte des 19. Jahrhunderts sind die Kapellen aus dem westpfälzischen "Musikantenland" überall auf der Welt unterwegs.

Musikkapelle

Im 19. Jahrhundert ziehen Musikanten aus der Westpfalz durch die Welt und verdienen den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien daheim.

Kommen und Gehen

Über Jahrhunderte ist die Pfalz vom Kommen und Gehen geprägt. Heute sind überall auf der Welt Menschen zu finden, die pfälzische Wurzeln haben. Und die Pfälzer "daheim" haben ihre Wurzeln in der ganzen Welt.

Gary Waltner

Der Leiter der Mennonitischen Forschungsstelle Gary Waltner. Vor 300 Jahren zog seine Familie aus der Schweiz in die Pfalz, später nach Galizien und weiter nach South Dakota. Anfang der 1963 kam er zurück nach Weiherhof.