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Ein Priester mit erhobenen Händen blickt vom Feller Burgkopf über die umgebende Landschaft (Collage)

SENDETERMIN Mo, 28.3.2016 | 13:30 Uhr | SWR Fernsehen

Orte der Kraft Höhlen der Kraft im Südwesten

Höhlen gelten als Geburtsorte für Götter, wie in der griechischen Mythologie die Idahöhle auf Kreta als Geburtsort von Göttervater Zeus. Auch im Südwesten waren Höhlen unterirdische Kultstätten mit überirdischer Bedeutung.

Eiszeitmenschen in der Vogelherdhöhle im Schattenbild

Eiszeitmenschen in der Vogelherdhöhle im Schattenbild

Die Vogelherdhöhle im Lonetal

Im Lonetal wurden die ältesten Kunstwerke der Menschheit gefunden. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die gefundenen Gegenstände 40.000 Jahre alt sind. Kunstvoll aus Mammutelfenbein geschnitzt ist der "Löwenmensch" aus dem Hohenstein-Stadel im Lonetal. Eine Flöte aus Schwanenknochen wurde im Geißenklösterle im Achtal bei Blaubeuren gefunden.

Kopf des Löwenmensch eiszeitliche Skulptur aus Elfenbein

Der "Löwenmensch": Eiszeitkunst aus dem Lonetal

Welche religiöse oder künstlerische Bedeutung Löwenmensch und Vogelknochenflöte möglicherweise hatten, darüber spekuliert der Experte für Ältere Urgeschichte Professor Nicholas J. Conard von der Universität Tübingen. Laut Conard sind diese Funde erstmals keine Nutzgegenstände. Sie belegen eine große Kunstfertigkeit und einen Entwicklungsschub im menschlichen Gehirn.


Das Mithrasbild in Schwarzerden im Hunsrück

In einem Tempelbau aus Holz wurde bei Schwarzerden, einem kleinen Ort zwischen Kusel in Rheinland Pfalz und St. Wendel im Saarland, der persisch-römische Lichtgott Mithras verehrt. Erhalten ist heute nur noch das in eine Felswand eingemeißelte vier Quadratmeter große Kultbild aus dem ersten Jahrhundert nach Christus, das umflutet von Straßenlärm unter einem kleinen vergitterten Schutzbau am "Rad- und Wanderweg Fritz Wunderlich" liegt.

Mithras-Kultbild aus Schwarzerden

Mithras-Kultbild aus Schwarzerden

Mithras ist ein uralter indoiranischer Gott, der bereits im 14. Jahrhundert vor Christus in einer hethitischen Keilschrift erwähnt ist. Sein Kult fand Eingang in die römische Welt und wurde dort Ende des ersten Jahrhunderts nach Christus neu erschaffen als Geheimkult nur für Männer. Über die römischen Truppen verbreitete er sich auch in Germanien, vor allem zwischen Nahe und Limes den Rhein entlang. Im Südwesten wurden zahlreiche Tempelanlagen und Reste der Kultbilder gefunden, dazu Gefäße, Dolche, Tierknochen und Opfergeld.

Ein Priester setzt dem vor ihm knieenden Schüler eine Krone auf den Kopf (nachgestellte Szene)

Ein Mithras-Priester reicht einem Prüfling den eisernen Strahlenkranz (nachgestellte Szene).

Obwohl die Forschung keine heiligen Schriften des Mithraskultes kennt, weiß man, dass eine moralisch einwandfreie Lebensweise wichtig war, um die Seele rein zu halten und dass astrologisches Wissen eine Rolle spielte. Später zerschlugen die Christen die "heidnischen Kulte" und bauten Kirchen auf alten Kultplätzen. Geblieben sind vom Mysterienkult des unbesiegbaren Mithras daher meist zertrümmerte Kultbilder und Reste der Tempelfundamente. Als vermeintliches Heiligenbild hat das Kultbild in Schwarzerden im Hunsrück überlebt.


Die Dietfurthöhle bei Sigmaringen

Die Dietfurthöhle liegt unterhalb der Burgruine Dietfurt, sechs Kilometer westlich von Sigmaringen im Donautal, 610 Meter über dem Meeresspiegel. Die Kalkhöhle besteht aus mehreren Hallen, die durch Gänge miteinander verbunden sind. Sie ist der Rest eines ursprünglich größeren Höhlensystems. Heute überwintern hier Fledermäuse.

Die Burgruine Dietfurt bei Sigmaringen

Die Burgruine Dietfurt bei Sigmaringen

In der Höhle fanden Archäologen Zeugnisse menschlicher Nutzung vom Ende der letzten Eiszeit bis ins 20. Jahrhundert. Der Fund einer spät-bronzezeitlichen Platte aus Ton, die auch Altarplatte genannt wird, lässt eine frühe kultische Nutzung der Höhle vermuten.

Höhlendurchgang in der Dietfurt-Höhle

Die Dietfurt-Höhle

In den 1920er Jahren war das Gelände rund um die Ruine Dietfurt ein Treffpunkt des Neutempler-Ordens. Dieser rassistische und frauenfeindliche Männer-Geheimbund gilt als einer der Wegbereiter der Nazi-Ideologie. Unter der Leitung des ehemaligen Mönches Josef Adolph Lanz bauten seine Mitglieder 1928 die Höhle zum kultischen Opferplatz aus und gaben ihr das heutige Gesicht. In den 1970er Jahren verstarben die letzten Mitglieder dieser Templergruppe. Die Bergwacht übernahm und betreut die Höhle. Besichtigungen sind nur nach Rücksprache möglich.

In Stein gemeißeltes Wappen über dem Eingang zur Dietfurthöhle mit der Jahreszahl "1929"

Wappen über dem Eingang zur Dietfurthöhle

Ein Film von Roman Gonther, Internetfassung: Beatrix Giebel und Lydia Egger

Sendung vom

Mo, 28.3.2016 | 13:30 Uhr

SWR Fernsehen