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Ein Priester mit erhobenen Händen blickt vom Feller Burgkopf über die umgebende Landschaft (Collage)

SENDETERMIN So, 27.3.2016 | 13:30 Uhr | SWR Fernsehen

Orte der Kraft Berge der Kraft im Südwesten

Berge haben eine besondere Bedeutung in Religionen. Sie sind entweder Sitz der Götter und man betritt sie nicht oder man ist auf dem Berg den Himmlischen besonders nahe. Legenden, Sagen und archäologische Funde erzählen von der Kraft dieser Orte.

Der Donnersberg im pfälzer Bergland

Der Donnersberg ist das höchste Bergmassiv der Pfalz. Wie Funde zeigen, nutzten schon Menschen der Steinzeit den Berg. Die Kelten wählten den exponierten Platz für den Bau einer großen Siedlungsanlage. Der achteinhalb Kilometer lange Ringwall, der das "Oppidum" umgab, zählt zu den größten dieser Art nördlich der Alpen. Warum die Siedlung schon vor Cäsars Eroberung Galliens aufgegeben wurde, gibt Fachleuten wie der Archäologin Andrea Steeb-Lanz bis heute Rätsel auf.

Ein keltischer Krieger hält auf einem Ringwall Wache - Animation

Keltischer Krieger auf einem Ringwall

Im 13. Jahrhundert gründeten Mönche im Bereich des ehemaligen Ringwalls das Kloster St. Jakob. Das kirchliche Anwesen bestand bis zur Reformation im 16. Jahrhundert. In einer Gaststätte am Donnersberg sind noch heute Mauerreste der ehemaligen Klosterkirche erhalten.

Der Heiligenberg bei Heidelberg

Der rund 440 Meter hohe Heiligenberg liegt im Osten der Stadt Heidelberg. Von seinem Gipfel aus hat man einen weiten Blick über das Neckartal. Schon in der Frühzeit wurde die Erhebung als "heiliger Berg" verehrt. Die Magie des Ortes zog Menschen verschiedener Kulturen und Religionen in ihren Bann. Im Laufe der Geschichte wurde der Heiligenberg immer wieder als Kultstätte genutzt.

Gedenkstein an den ehemaligen keltischen Ringwall am Heiligenberg bei Heidelberg

Gedenkstein an den ehemaligen keltischen Ringwall am Heiligenberg bei Heidelberg

Schon früh ließen sich die Kelten hier nieder. Die Römer errichteten auf dem Heiligenberg eine Tempelanlage. Später war der Berg Sitz von zwei Klöstern. Die Nationalsozialisten schließlich errichteten dort eine sogenannte "Thingstätte", eine Freiluftbühne nach dem Vorbild antiker griechischer Theater, die zu Propagandazwecken genutzt werden sollte.

Heiligenberg

Reste einer römischen Tempelanlage am Heiligenberg

Auf dem Heiligenberg finden sich Überreste dieser Kultstätten aus verschiedenen Jahrhunderten: Reste der keltischen Ringwallanlagen, die Ruine des römischen Mercuriustempels, die Ruinen des Michaelsklosters und des Stephansklosters aus dem 10. und 11. Jahrhundert und die Tribünen des Freilichttheaters, in dem heute – frei von politischer und religiöser Prägung - Opern und Freiluftkonzerte aufgeführt werden.


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Der Feller Burgkopf bei Trier

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Etwa fünf Kilometer südöstlich von Fell, bei Trier, liegt in unwegsamem Waldgelände zwischen zwei Bachtälern ein steiler Schiefergrat. Auf diesem Feller Burgkopf hat bereits 1840 Oberförster Baden graben lassen. Er fand eine kopflose Götterstatue, die vermutlich aus der Antike stammte. Dennoch hielt selbst die Fachwelt die verhältnismäßig großen Schutt- und Steinhalden auf dem Burgkopf noch bis 1933 für Reste einer mittelalterlichen Burganlage.

Etwa fünf Kilometer südöstlich von Fell, bei Trier, liegt in unwegsamem Waldgelände zwischen zwei Bachtälern ein steiler Schiefergrat. Auf diesem Feller Burgkopf hat bereits 1840 Oberförster Baden graben lassen. Er fand eine kopflose Götterstatue, die vermutlich aus der Antike stammte. Dennoch hielt selbst die Fachwelt die verhältnismäßig großen Schutt- und Steinhalden auf dem Burgkopf noch bis 1933 für Reste einer mittelalterlichen Burganlage.

Durch die Jahrhunderte hatten Sagen den Ort in Erinnerung gehalten. Man erzählte sich von einem Tempelherrenschloss und vom Goldenen Kalb, das dort vergraben sein. Ob die rund 370 Meter hohe Anhöhe, die seit dem 2. Jahrhundert vor Christus aufgesucht wurde, eine keltische Siedlung war oder als Heiligtum genutzt wurde, darüber rätseln Archäologen.

Eine Grabung 1933 ergab unzweifelhafte Anhaltspunkte dafür, dass auf dem Feller Burgkopf einst ein römisches Heiligtum stand. 1980 konnte das Rheinische Landesmuseum drei römische Tempel und vorrömische Siedlungsspuren nachweisen.

Sie fanden auch den bärtigen Kopf des Gottes, den man nun mit weiteren Funden als Silvanus identifizierte, den Herrn der Natur, der Berge und Wälder. Diese lokale Gottheit verehrten die Treverer, ein keltischer Volksstamm, der in der Umgebung von Trier siedelte. Nach der Eroberung durch die Römer hatten sie nicht nur ihre Lebensweise, sondern auch ihren Gott römischen Vorbildern angeglichen. Um 350 nach Christus wurden die Tempel wohl aufgegeben.

Ein Film von Roman Gonther, Internetfassung: Beatrix Giebel und Lydia Egger