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Serge und Beate Klarsfeld 2016

SENDETERMIN Mi, 23.1.2019 | 21:00 Uhr | 3sat

Das Leben von Beate und Serge Klarsfeld Nicht Rache, sondern Gerechtigkeit

Die Geschichte von Beate und Serge Klarsfeld ist eine deutsch-französische Geschichte der ganz besonderen Art. Die Geschichte einer außergewöhnlichen Liebe und eines jahrzehntelangen Kampfes gegen das Vergessen und für Gerechtigkeit für NS-Opfer.

Eine Ohrfeige für den Kanzler

Ihr Kampf beginnt 1968 mit einer Ohrfeige für Kurt Georg Kiesinger, mit der Beate Klarsfeld die NS-Vergangenheit des deutschen Bundeskanzlers bekannter machen will. Für die junge deutsche Frau und ihren französischen Mann, Serge, dessen Vater als Jude in Auschwitz ermordet wurde, ist es unerträglich, dass ehemalige NS-Funktionsträger in der Bundesrepublik Karriere machen. Sie wollen die verdrängte nationalsozialistische Vergangenheit öffentlich machen - und sie wollen NS-Täter, die unbehelligt in der Bundesrepublik leben, zur Verantwortung ziehen.

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Beate und Serge Klarsfeld

Die Nazi-Jäger

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Beate und Serge Klarsfeld: Als Vertreterin einer jungen deutschen Nachkriegsgeneration sieht Beate Klarsfeld es als historische und moralische Verpflichtung an, Verbrecher der NS-Zeit zur Verantwortung zu ziehen. Die Klarsfelds werden zu den bekanntesten und profiliertesten Nazi-Jägern in Europa. Während Beate Klarsfeld als Aktivistin dabei meist mit spektakulären Aktionen öffentlich agiert, trägt Serge Klarsfeld durch seine historischen Recherchen die Beweise gegen die Täter zusammen.

Beate und Serge Klarsfeld: Als Vertreterin einer jungen deutschen Nachkriegsgeneration sieht Beate Klarsfeld es als historische und moralische Verpflichtung an, Verbrecher der NS-Zeit zur Verantwortung zu ziehen. Die Klarsfelds werden zu den bekanntesten und profiliertesten Nazi-Jägern in Europa. Während Beate Klarsfeld als Aktivistin dabei meist mit spektakulären Aktionen öffentlich agiert, trägt Serge Klarsfeld durch seine historischen Recherchen die Beweise gegen die Täter zusammen.

Kurt Georg Kiesinger: Am 7. November 1968 ohrfeigt die 29-jährige Studentin den damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger öffentlich. Dass ein ehemals hochrangiger Funktionär im Propagandaapparat der Nationalsozialisten deutscher Bundeskanzler werden konnte, ist für Beate Klarsfeld nicht hinnehmbar. Durch die medienwirksame Aktion will sie Kiesingers NS-Vergangenheit einer breiten Öffentlichkeit bekannt machen. Die Ohrfeige bringt Beate Klarsfeld in die Schlagzeilen.

Kurt Lischka: Als SS-Obersturmbannführer in Paris ist er maßgeblich für die Deportation tausender Juden aus Frankreich verantwortlich. Nach dem Krieg lebt er unbehelligt von der deutschen Justiz in Köln. Die Klarsfelds wollen ihn nach Frankreich verschleppen, damit er dort vor Gericht gestellt werden kann. Doch die Entführung im März 1971 misslingt. Beate Klarsfeld wird zu zwei Monaten auf Bewährung verurteilt. Der Kriegsverbrecher Lischka bleibt zunächst auf freiem Fuß. 1980 wird er zu 10 Jahren Haft verurteilt.

Serge Klarsfeld in seinem Büro im Pariser Regierungsviertel. Hier hat er gemeinsam mit seiner Frau die Aufspürung von NS-Verbrechern vorbereitet. Ihre Arbeit beruht immer auf akribischen Recherchen.

Klaus Barbie: Der SS- Kriegsverbrecher, der wegen seiner besonderen Grausamkeit und brutaler Foltermethoden als "Schlächter von Lyon" bekannt wird, ist ebenfalls für den Tod vieler Juden und Widerstandskämpfer verantwortlich.

Nach Kriegsende hat Klaus Barbie sich nach Bolivien abgesetzt. Auf Initiative der Klarsfelds wird Barbie nach Frankreich ausgeliefert. Dort wird er im Juli 1987 wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt.

Memorial de la Shoah in Paris: Hier lagert heute die 1991 von Serge Klarsfeld entdeckte und zuvor lange verloren geglaubte "Judenkartei". Sie ist der bedeutsame Beleg für die Erfassung und Deportation von Juden aus Frankreich durch die Nationalsozialisten mit Unterstützung des französischen Vichy-Regimes.

Maurice Papon: Als hoher Beamter des Vichy-Regimes unter der Führung von Marschall Pétain ist er 1942 in der Region Bordeaux zuständig für "jüdische Angelegenheiten". Nach dem Krieg macht er Karriere und wird Chef der Pariser Polizei, Ende der 1970er Jahre sogar Haushaltsminister.

1982 reicht Serge Klarsfeld Klage ein. Papon soll an der Deportation von mehr als 1.500 Juden beteiligt gewesen sein, darunter mehr als 200 Kinder. Gegen viele Widerstände setzten die Klarsfelds den Prozess durch. Im April 1998 wird Maurice Papon wegen Mitwirkung an Verbrechen gegen die Menschheit zu 10 Jahren Haft und Verlust der Bürgerrechte verurteilt.

Vichy-Regierung als Kollaborateur entlarvt

1991 spürt Serge Klarsfeld die verloren geglaubte "Judenkartei" auf, in der die Deutschen die Deportation der französischen Juden protokolliert haben. Mit Hilfe dieser Dokumente deckt er auf, dass die Vichy-Regierung bei den Deportationen der französischen Juden mit den Deutschen kollaboriert hat. Der Mythos, dass die französischen Behörden, wo immer es ging, Widerstand gegen die Deportationen geleistet hätten, ist zerstört.

Serge Klarsfeld sitzt mit einem Karteikasten auf dem Tisch vor sich im Leseraum einer Bibliothek

Serge Klarsfeld hat 1991 die sogenannte "Judenkartei" entdeckt.

Langer Kampf für Gerechtigkeit

Lange galten die beiden als Nestbeschmutzer und wurden nicht ernst genommen, heute gelten sie sowohl in Frankreich als auch in Deutschland als moralische Instanz und werden geehrt. Und auch heute kämpfen die beiden noch: vor allem gegen das Erstarken des Antisemitismus in Frankreich. Sie mischen sich ein, wenn Populisten gegen Juden hetzen, und sorgen dafür, dass sie sich vor Gericht verantworten müssen. Ihr Kampf ist noch nicht zu Ende.

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Mi, 23.1.2019 | 21:00 Uhr

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