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Der kleine Ort Tarquimpol inmitten des Vogelschutzgebiets Etang de Lindre - Luftbild

SENDETERMIN So, 28.10.2018 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Frankreichs Nordosten Lothringen - neu entdeckt

Die einstige Industrieregion Lothringen überrascht mit abwechslungsreichen Landschaften: von den Hochweiden der Vogesen über Wälder und wilde Flüsse bis hin zu zahlreichen Seen.

Wasserstraßen - Erbe des Industriezeitalters

Dem Industriezeitalter verdankt Lothringen ein weites Netz von Schifffahrtskanälen. Der Rhein-Marne-Kanal besitzt technische Attraktionen wie das Schiffshebewerk von Arzviller oder die Schleuse von Réchicourt-le-Château, eine der höchsten Schleusen Frankreichs. Gemeinsam mit seiner Tochter Sarah baut der Lothringer Guy Zins ein Hausboot in modernstem Design um damit die französischen Kanäle zu erkunden.

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Lothringen - Land und Leute

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Bootsbauer aus Lothringen: Guy Zins hatte einen Traum - ein Boot, das allein mit Sonnenenergie fahren sollte.

Bootsbauer aus Lothringen: Guy Zins hatte einen Traum - ein Boot, das allein mit Sonnenenergie fahren sollte.

Sarah Zins war gerade mit dem Studium fertig, als ihr Vater Guy beschloss, ein Hausboot zu bauen. Die Tochter ließ sich für die Idee begeistern.

Bootsdeck mit Sonnenkollektoren und prächtiger Aussicht: Das Hausboot von Guy und Sarah Zins auf dem Saar-Kohle-Kanal.

Naturfotograf Vincent Munier ist fasziniert vom Oberlauf der Mosel. Man nennt ihn "Moselle sauvage", die wilde Mosel: naturbelassen, ohne jegliche Eingriffe des Menschen, sucht der Fluss in zahlreichen Windungen seinen Weg durch die ursprüngliche Landschaft.

Vincent Meunier unterwegs im Naturschutzgebiet Wilde Mosel. Die Natur verändert sich hier nach jedem Hochwasser und liefert Fotomotive in Hülle und Fülle.

Mirabellen-Bauer Régis Kriegel bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Familie ein Anwesen im Nordosten Frankreichs. Die Mirabellen erntet er von Hand und verarbeitet sie zu allerlei Spezialitäten.

Lothringen ist für Mirabellen bekannt. Nirgendwo in Frankreich wachsen mehr davon. Ende Juli beginnt die Ernte.

Zum Einmachen werden die handverlesenen Früchte in Gläser gefüllt. Mirabellen werden zu Konfitüren, Kuchen oder Likören verarbeitet.

In vielen Dörfern gibt es keine Geschäfte und Bäckereien mehr. Die fahrende Bäckerei bringt Brot, Gebäck - und Neuigkeiten.

Emiline Wolf von der mobilen Bäckerei kennt ihre Kundschaft. Trotz Terminplan - Zeit für einen Plausch hat sie immer.

Bildhauer Stephan Balkenhol fand in Lothringen seine zweite Heimat.

Immer wieder zieht es Stephan Balkenhol in sein Atelier in den Nordvogesen. Seine Holzskulpturen stehen in renommierten Galerien und Museen.

Kunst und kulinarische Spezialitäten

Kulinarisch bekannt ist die Region vor allem für Mirabellen, aus denen unter anderem Marmelade hergestellt wird. Eine mobile Verkäuferin fährt mit einer Bäckerei auf Rädern von Dorf zu Dorf. Den renommierten Naturfotografen Vincent Munier zieht es im Winter auf den verschneiten Vogesenkamm und im Frühjahr an den Oberlauf der Mosel. Der deutscher Bildhauer Stephan Balkenhol hat das Dorf Meisenthal in den Nordvogesen als Rückzugsort für sich entdeckt und schafft in seinem Atelier Skulpturen, die in der Kunstwelt hoch gehandelt werden.

Junges Publikum in Metz und Nancy

Die Städte Metz und Nancy haben ihr Gesicht enorm verändert und sind wieder "jung" geworden. Metz zieht seit der Eröffnung einer Dependance des Centre Pompidou das internationale Kunstpublikum an. Der beindruckende Museumbau liegt unweit des Kaiserviertels, das unter deutscher Herrschaft entstand und ein Paradebeispiel für wilhelminischen Urbanismus darstellt. In Nancy fokussiert sich alles auf die Place Stanislas, die zum Welterbe der Unesco zählt. Die Stadt ist für ihre Jugendstilgebäude bekannt. Sehenswert ist die Brasserie Excelsior. Und ein Zusammenschluss von Kunst-, Management- und Technikhochschule hat den Gedanken disziplinübergreifender Arbeit aus der legendären Epoche um 1900 aufgegriffen. Studenten entwickeln Roboter und Videospiele.

Die Place Stanislas in Nancy - Luftbild

Die Place Stanislas in Nancy

Schlachtfelder der Geschichte

Immer wieder wird in der Grenzregion deutsch-französische Geschichte spürbar. Etwa auf dem Schlachtfeld von Verdun, das einer Kraterlandschaft gleicht. Das Gebeinhaus und der Soldatenfriedhof von Douaumont erinnern an blutige Kämpfe. Ein Künstler beschäftigt sich mit der Landschaft des einstigen Schlachtfelds und zeigt, wie der Ort des Schreckens sein Gesicht verändert. Entlang der Grenze stechen die Bunker der Maginot-Linie ins Auge, von denen einige von Vereinen in Stand gehalten und für Besucher geöffnet werden.

An die Industriegeschichte Lothringens erinnern der Hochofen von Uckange und das Festival des italienischen Films in Villerupt. Hunderttausende Italiener waren als Gastarbeiter nach Lothringen gekommen, um in Stahlwerken und Eisenerzminen zu arbeiten.

Der Film begibt sich auf Entdeckungsreise und zeigt in spektakulären Luftaufnahmen, wie facettenreich die Grenzregion ist.