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Junge Frauen und Männer gehen paarweise in einer Reihe beim Hammeltanz in Onolzheim - historische Aufnahme

SENDETERMIN So, 1.10.2017 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Erinnerungen ans Dorfleben im Südwesten Liebe auf dem Land

Wie lernte man sich früher auf dem Dorf kennen - ohne Disco und Internet? Eine Entdeckungsreise rund um das Thema Liebe in der Ära der Groß- und Urgroßeltern.

Liebesglück zwischen Kirmes und Tanzschule

Wie war das damals auf den Dorffesten, wenn die erste große Liebe entflammte? Kirchweih, Jahrmärkte oder traditionelle Feste sind die Höhepunkte im Jahr und gelten als Heiratsbörsen. Ursula Müller und Sigrun Immle haben ihre Männer beim "Onolzheimer Hammeltanz" kennengelernt. In der Nachkriegszeit kommen auch in kleinen Orten Tanzschulen in Mode. Bärbel Moser aus Landau erinnert sich, wie die Tanzlehrer mit Fahrrad und Grammofon auf dem Gepäckträger in die Dörfer fuhren und die "neue" Musik mitbrachten.

Ein junger Mann in Anzug begrüßt eine junge Frau mit Handschlag - Aufnahme aus der Tanzschule Wienholt in Landau

Einen Ort, an dem seit Jahrzehnten die Liebe entflammt und Ehen angebandelt werden: In der Tanzschule Wienholt im pfälzischen Landau wird seit 1892 getanzt, geflirtet und auf Etikette geachtet.

Das strenge Auge der Kirche

Meist galten auf dem Land früher sehr viel strengere Regeln als heute. Die Kirche hat in der Dorfgemeinschaft in Liebesdingen ein wichtiges Wort mitzureden. Wenn sich eine Katholikin in einen Protestanten verliebt, ist an Heirat kaum zu denken. In erzkonservativen Landstrichen werden Frauen geächtet, wenn sie bei der Eheschließung schon schwanger sind: Sie müssen ein schwarzes Brautkleid tragen.

Gertrud Rittmann-Fischer und  August Fischer aus Königsbach halten sich, auf einem Sofa sitzend, an den Händen.

Gertrud Rittmann-Fischer und August Fischer aus Königsbach in der Vorderpfalz sind seit 70 Jahren verheiratet. Zu ihrer Hochzeit kommt niemand aus Gertruds Verwandtschaft. Da sie einen Mann heiratet, der unehelich geboren ist, wird sie von der Familie geächtet.

Geld und Geld gesellt sich gern

Schmetterlinge im Bauch und große Gefühle gibt es damals sicherlich auch, oft aber geht es ums Geld und um einen vollen Magen. Agnes Sester aus dem Kinzigtal hat noch miterlebt, wie die Eltern das Sagen hatten, wer als Zukünftiger in Frage kam. Wer als Mann keinen Hof hat und kein Handwerk ausübt - also ein armer Schlucker ist - kann nicht heiraten, und wer ledig bleibt, muss als Magd oder Knecht arbeiten.

Kinder und die Liebe

Die Liebe der Eltern zu den Kindern trägt mitunter harte Züge. Kinder werden sogar "verschenkt" - als Baby weggegeben, weil das Geld in den armen Landstrichen wie der Eifel nicht ausreicht, damit alle satt werden. Auch die Kinder von deutschen Frauen und farbigen amerikanischen Soldaten, sogenannte GI-Babys, haben häufig ein schweres Schicksal. Wer, wie Charles Böß aus Worms, als Kind anders aussieht, wird gehänselt.

Charles Böß

Viele "GI-Babys" werden zur Adoption frei gegeben, wachsen in Heimen auf. Charles Böß hat Glück, er kommt schon früh zu einer netten Pflegefamilie.

Ein Film von Nicola Haenchen, Elmar Babst, Holger Wienpahl; Internetfassung: Lydia Egger

Sendung vom

So, 1.10.2017 | 20:15 Uhr

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Schwarzwald-Special

Mythos, Heimat, Kuckucksuhr