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Blühende Almwiese auf der Seiser Alm

SENDETERMIN Mo, 19.8.2019 | 5:55 Uhr | SWR Fernsehen

Kräuterwelten - In den Alpen

Seit Jahrtausenden wachsen in den Alpen Pflanzen, die oft unscheinbar und doch sehr widerstandsfähig sind. Sie müssen Wind und Wetter trotzen - und viele haben Heilkräfte entwickelt, die Mensch und Tier gut tun.

Kostbarer Schatz der Alpentäler

In unzugänglichen Alpentälern hatten die Menschen über Jahrhunderte hinweg keine andere Möglichkeit, als auf die Heilkraft der Natur zu vertrauen. Das Kräuterwissen war tief im Alltag der Bergbewohner verwurzelt - bis es im 20.Jahrhundert von der modernen Schulmedizin verdrängt wurde. Heute erleben die Kräuter der Alpen eine Renaissance. Die Naturschätze aus der eigenen Region rücken wieder ins Bewusstsein. Das Potenzial der Alpenkräuter ist noch lange nicht ausgeschöpft.

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Kräuterschätze aus den Alpen

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Hubsi Ilsanker ist "Wurzengraber" in den Berchtesgadener Bergen. Er arbeitet für die älteste Enzianbrennerei Deutschlands. Seit Anfang des 17.Jahrhunderts besitzt sie das alleinige Recht, nach den geschützten Enzianwurzeln zu graben. Der Beruf des Wurzengrabers hat sich seither kaum verändert.

Hubsi Ilsanker ist "Wurzengraber" in den Berchtesgadener Bergen. Er arbeitet für die älteste Enzianbrennerei Deutschlands. Seit Anfang des 17.Jahrhunderts besitzt sie das alleinige Recht, nach den geschützten Enzianwurzeln zu graben. Der Beruf des Wurzengrabers hat sich seither kaum verändert.

Die Dolomiten und die Seiser Alm gehören zu den kostbarsten Bergregionen der Alpen. Hier wachsen unzählige Heilpflanzen. Für die Kräuter und das Heu der Wiesen gibt es zahlreiche Anwendungen, so hilft ein Heubad bei Gelenkschmerzen.

Der wunderschöne Eisenhut ist hochgiftig. Die Pflanze sollte nicht mit der Haut in Berührung kommen. Als Aconitum wird sie in der Homoöpathie bei Angstattacken eingesetzt.

Das Johanniskraut mag keine Schattenplätze. Die Pflanze beruhigt die Nerven, macht aber die Haut sehr lichtempfindlich.

In Öl gelegte Johanniskräuter entfalten durch lange Sonneneinwirkung ihre stimmungsaufhellenden Eigenschaften.

Johanniskraut wird seit jeher angewendet wenn die Nerven angespannt, gereizt oder auch verletzt sind. Es kann auch bei Sonnenbrand und Verbrennungen helfen. Da die Haut dadurch sehr lichtempfindlich wird, sollten nach der Einnahme von Johanniskraut Sonnenbäder vermieden werden.

Am frühen Morgen streift Franz Mulser durch die Wiesen, um sich außergewöhnliche „Bio“- Zutaten für seine Kochkünste zusammenzusuchen. Wiesenknöterich, Frauenmantel, wilder Thymian, Wiesenkümmel und Distel landen in seinem Korb.

Heusuppe, ein altes Südtiroler Gericht. Im Brotmantel serviert Franz Mulser seine ganz eigene Version – ein Geheimrezept,  für das so mancher Wanderer immer wieder zu  ihm auf die Hütte kommt.

Die Kräuterweihe ist ein Brauch aus vorchristlicher Zeit. An Maria Himmelfahrt werden die Kräutersträuße in der Kirche geweiht. Die geweihten Sträuße sollen Familie und Haus schützen.

Das Benediktinerstift Admont in der Steiermark beherbergt die größte Klosterbibliothek der Welt. Ein enormer Wissensschatz von theologischen, naturwissenschaftlichen, medizinischen und auch geheimen Schriften, über Jahrhunderte zusammengetragen.

Das Edelweiß blüht hoch oben in den Bergen und steht unter Naturschutz. Die Pflanze enthält viel Gerbsäure und hilft bei Bauchschmerzen.

Ursprünglich stammt die „Königin der Alpenblumen“ aus Zentralasien. Vor etwa 10.000 Jahren ist sie nach Europa eingewandert und wächst in Höhenlagen zwischen 1500 und 3000 Metern.

Astrid Thurner ist Drogistin und liebt das Edelweiß. Es ist ihr gelungen, aus Wildsamen eine große Plantage anzulegen. Der Edelweiß wird für Naturkosmetik verwendet.

Gezüchteter Edelweiß, daraus können Produkte wie Tee, Kosmetika oder Schnaps erstellt werden.

Über dem Tauferer Ahrntal, auf der Südseite der Alpen, liegt Ruhe. Abgelegen von den großen Touristenströmen ist die Natur noch unversehrt.

Bitteres aus der Wurzel

In den Berchtesgadener Alpen übt Wurzengraber Hubsi Ilsanker einen Knochenjob aus, fast wie vor 400 Jahren. Für die älteste Enzianbrennerei Deutschlands gräbt Hubsi im Berchtesgadener Nationalpark nach den geschützten Enzianwurzeln - genehmigt durch ein historisches Sonderrecht. Denn der Gelbe Enzian ist eines der bittersten Heilkräuter der Welt, gut für Schnaps und zur allgemeinen Stärkung.

Edelweiß - die Schönheitskönigin

Drogistin Astrid Thurner ist im Schweizer Kanton Graubünden der Anbau von Edelweiß auf dem Feld gelungen. Damit ist sie eine Pionierin auf diesem Gebiet. Die antioxidativen Wirkstoffe der hochalpinen Pflanze nutzt sie für eine eigene Kosmetiklinie. Eine neue Edelweiß-Substanz haben Forscher im Centrum für Biomedizin in Innsbruck entdeckt: Leoligin könnte die Behandlung von Gefäßkrankheiten revolutionieren.

Das Arsen des Mittelalters - vom Wohl und Wehe der Medizinpflanzen

Die Naturheilpraktikerin Astrid Süßmuth aus den Ötztaler Alpen kennt sich aus in ihrer "Outdoor-Apotheke". Die Natur bringt jedoch nicht nur Heilsames hervor. Der Blaue Eisenhut - auch das Arsen des Mittelalters genannt, ist das giftigste Kraut Europas. Im Benediktinerstift Admont befindet sich die größte Klosterbibliothek der Welt. In Heiligenblut am Großglockner feiern Trachtenfrauen die "Kräuterweihe", einen lang vergessenen Brauch aus vorchristlichen Zeiten.

Wellness und kreative Kräuterküche

In den Südtiroler Dolomiten bringt Gourmetkoch Franz Mulser den Geschmack der Alm auf die Teller. Das Heu der Seiser Alm, das beim Koch in der Suppe landet, wird in Völs am Schlern für ein Heubad aufbereitet. So können sich die Kräuteressenzen entfalten. Eine Wellness-Anwendung, die gegen jegliche Zipperlein, bei Gelenk- und Rückenschmerzen helfen soll.

Johanniskraut - "Lichtkraut der Sonnengöttin"

Kräuter sind die Leidenschaft von Anneres Ebenkofler im Tauferer Ahrntal. Sie sammelt geheime Rezepte und Heilmethoden. Ihr Hotel führt sie nach dem Prinzip der "Alpenländischen Lehre". Dabei spielt ihr Lieblingskraut eine wichtige Rolle: Das Johanniskraut, "eine tolle Lichtpflanze, da begegnet einem die Sonnengöttin persönlich".

Der Film zeigt Menschen, die altes Kräuterwissen anwenden. Eindrückliche Makrobildwelten präsentieren die Besonderheit alpiner Kräuter im Detail. Die Aufnahmen aus der Luft führen in vier Länder der Alpenregion: nach Deutschland (Bayern), Österreich, Italien und in die Schweiz.