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Die erste Studentin Deutschlands Johanna Kappes (1873 – 1933)

Die Karlsruherin erwirkt, dass sie und vier andere Hörerinnen an der Universität Freiburg offiziell immatrikuliert werden. Sie gilt somit als erste Studentin in Deutschland. 1904 erhält die Medizinerin ihre Approbation als Ärztin.

Johanna Kappes

Johanna Kappes

Abitur in Karlsruhe

Johanna Kappes gehört bereits vor dem Studium zu den Pionierinnen der Gleichberechtigung. 1899 legt sie als eine der ersten deutschen Gymnasiastinnen überhaupt ihr Abitur in Karlsruhe ab. Das dortige Mädchengymnasium ist das erste im Deutschen Reich und war 1893 vom Verein "Frauenbildungs-Reform" unter der Leitung der Frauenrechtlerin Hedwig Kettler gegründet worden. Johanna Kappes will unbedingt Medizin studieren, doch die Widerstände gegen Frauen an der Universität sind groß. Weit verbreitet sind Vorurteile wie die des Gynäkologen und Leiters der Freiburger Universitätsfrauenklinik, Alfred Hegar. Er will nicht einsehen, "in welcher Weise die Bedingung zur Zulassung zum Universitätsstudium von Frauen erfüllt werden kann". Viele Professoren befürchten auch einen Renommeeverlust für die Universität, falls Frauen zum Studium zugelassen werden.

An die Universität - trotz aller Widerstände

Johanna Kappes lässt sich von solchen Argumenten nicht abschrecken und entscheidet sich trotzdem, nach Freiburg zu gehen. Dort sucht sie verschiedene Professoren auf. Ihr gelingt es, sie von ihren Fähigkeiten zu überzeugen, und sie erhält die Erlaubnis, zusammen mit vier weiteren Frauen Vorlesungen zu besuchen. Als Hörerinnen bleibt ihnen allerdings die Möglichkeit verwehrt, staatlich anerkannte Examen abzulegen. Während ihres ersten Semesters ermuntert der Verein "Frauenbildung-Frauenstudium" die Frauen deshalb, für eine gleichwertige Zulassung als Studentinnen zu kämpfen. Treibende Kraft des Vereins ist Adelheid Steinmann, Frau des Geologen und Prorektors der Universität, Gustav Steinmann.

Siegel der Uni Freiburg auf dem Boden im Eingangsbereich der Aula des Kollegiengebäudes I

Siegel der Universität Freiburg

Kampf ums Studium

Allein Johanna Kappes verfasst am 2. November 1899 eine entsprechende Petition an den Senat, in der sie um das Recht auf Immatrikulation bittet. Der Freiburger Senat lehnt ab, doch Prorektor Steinmann leitet das Ersuchen an das zuständige Ministerium der Justiz, des Kultus und des Unterrichts in Karlsruhe weiter. Am 28. Februar 1900 ergeht der berühmte Erlass des Ministeriums, der die badischen Universitäten für Frauen öffnet. Mehr noch: Johanna Kappes und den vier weiteren Hörerinnen wird gestattet, sich rückwirkend zum Beginn des Wintersemesters 1899/1900 zu immatrikulieren. Damit werden ihre bereits erbrachten Studienleistungen anerkannt.

Baden als Vorreiter des Frauenstudiums

Das Großherzogtum Baden ist damit das erste Land im Deutschen Reich, in dem Frauen ein vollwertiges Hochschulstudium mit Examen absolvieren dürfen. In Württemberg erfolgt die Zulassung von Frauen zur Universität erst 1904, im konservativ regierten Preußen dauert es noch weitere vier Jahre, bis sich die erste Studentin immatrikulieren darf.

Johanna Kappes und die vier weiteren Pionierinnen des Frauenstudiums in Freiburg werden alle Ärztinnen. Johanna Kappes promoviert 1904 und heiratet den Arzt Heinrich Worminghaus, mit dem sie eine Gemeinschaftspraxis in Nürnberg führt.