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Kühe werden für den Almabtrieb geschmückt

SENDETERMIN So, 1.11.2020 | 12:45 Uhr | SWR Fernsehen

Erinnerungen ans Dorfleben im Südwesten Herbst auf dem Land

Für viele ist er heute die schönste Jahreszeit – aber für Generationen vor uns war der Herbst auch die arbeitsintensivste Zeit. Wochenlang müssen alle mit anpacken um die Früchte des Jahres zu ernten.

Herbstzeit – Erntezeit

Morgens steht der Nebel über den Feldern, im Bauerngarten blühen die Herbstblumen wie zum Abschied nochmal besonders bunt. Es riecht würzig nach Laub. Der Herbst, der bedeutete früher für viele Familien auf dem Land vor allem eines: die körperlich harte Arbeit der Ernte. Es scheint, als wäre fast alles gleichzeitig reif. Zwetschgen, Birnen und Äpfel. Was jetzt nicht gegessen wird, wird haltbar gemacht, eingeweckt. Die große Sorge aber bleibt - wird genug für den Winter da sein?

rote Weintraube wird geschnitten

Wer im Rheinhessischen Nierstein "in den Herbst" geht - der geht zur Traubenlese. Seit über 200 Jahren hat der Weinbau in den Steilhängen über dem Rhein Tradition.

Leben im Rhythmus der Jahreszeiten

Früher bestimmten, viel stärker als heute, die Jahreszeiten das Leben der Menschen. Wie war das damals, im Herbst, wenn der harte Winter bevorstand? Als man die Vorräte noch selbst anlegen musste, um im Frühjahr noch etwas zu essen zu haben? Mehr als 600 Jahre lief alles gleich auf dem Land, bis in den 50er, 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts die großen Veränderungen kamen.

Zapfensamen-sammeln, Getreide- und Hopfenernte

Förster Werner Weber aus dem Schwarzwald erinnert sich an die Arbeit der Zapfensamen-Sammler in schwindelerregender Höhe der Tannenwipfel. Der Bauer aus dem Kinzigtal erzählt von den besonderen Bräuchen zu Erntedank, wenn Erntestäbe und kunstvolle Erntebilder aus Körnern gefertigt wurden. In Oberschwaben ist im Herbst Hopfenernte. Dort erinnert man sich noch an die Schinderei der harten Handarbeit, bevor es die Erntemaschinen gab.

Werner Weber, Förster aus Schluchsee im Hochschwarzwald

Werner Weber, Förster aus Schluchsee im Hochschwarzwald

Dorfleben, Weinlese und Flussabenteuer

Im Hunsrück lebt die 98-jährige Elisabeth Kunz fast noch genauso wie vor 60 Jahren. Acht Kinder hat sie groß- gezogen, ihr Dorf nie verlassen und den Kohl erntet sie wie damals im eigenen kleinen Gemüsegarten. Früchte werden eingemacht, um gut über den Winter zu kommen. An der Mosel haben zwei Männer aus Ediger-Eller längst gelernt, mit dem Fluss zu leben, der im Herbst immer wieder über die Ufer tritt. Sie erinnern sich an abenteuerliche Tage ihrer Kindheit. Und dann ist da der Winzer aus Rheinhessen. "Wir gingen in den Herbst", sagt er. Zur Lese der Trauben mit der schweren Butte auf dem Rücken.

Elisabeth Kunz

Elisabeth Kunz aus dem Hunsrück

Es sind Geschichten aus einer scheinbar anderen Welt, und doch Erinnerungen, die gar nicht so lange her sind. Eine Zeitreise mit hautnahen Schilderungen und anrührenden Erinnerungen an den Herbst auf dem Land. Viele Schwarzweißaufnahmen und einzigartiges historisches Archivmaterial dokumentieren die vergangenen Jahrzehnte. Umfangreiche Flugaufnahmen bieten eine ungewöhnliche Perspektive auf die Schönheit der ländlichen Regionen im Südwesten heute.

Film von Elmar Babst, Nicola Haenchen und Holger Wienpahl; Internetfassung: Lydia Egger

Sendung am

So, 1.11.2020 | 12:45 Uhr

SWR Fernsehen