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Auto - Isetta

SENDETERMIN Mo, 14.1.2019 | 15:15 Uhr | 3sat

Goggo, Lloyd & Co Tolle Geschichten von kleinen Autos

Ob Goggo, Lloyd, Isetta, NSU-Prinz oder Zündapp Janus, sie alle haben in den 50ern und 60ern Automobilgeschichte geschrieben. Sie waren praktisch, sympathisch, manchmal auch lustig. Und immer mit großem Ernst konstruiert. Die kleinen Autos haben heute noch ihre Fans.

"Wer den Tod nicht scheut, fährt Lloyd", hieß es früher im Volksmund. Ursprünglich hatte das Auto aus der Unternehmensgruppe Borgward eine Sperrholzkarosserie mit Kunstlederbezug, die ihm den Spitznamen "Leukoplast-Bomber" einbrachte. Der Lloyd war einer der erfolgreichsten Kleinwagen der Nachkriegszeit. Zeitweise wurden mehr als 50.000 Exemplare pro Jahr gebaut.

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Kleine Autos

Goggo, Lloyd und andere Minis

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"Ein Lloyd erfreut", in diesem Fall ein Lloyd Alexander, Baujahr 1959. Der "Kleine" ist 3,36 Meter lang und hat stolze 19 PS.

"Ein Lloyd erfreut", in diesem Fall ein Lloyd Alexander, Baujahr 1959. Der "Kleine" ist 3,36 Meter lang und hat stolze 19 PS.

Der Lloyd Alexander war ein simples Auto. Fast alles war geschraubt und nicht geschweißt. Beim 1957 präsentierten Alexander ließ sich die Ausstattung dann aber sehen: Kurbelfenster, ein von außen zugänglicher Kofferraum und verstellbare Sitzlehnen.

Gebaut wurde er in der Lloyd Motoren Werke GmbH in Bremen, einem Unternehmen der Borgward-Gruppe. Und das sehr erfolgreich: Ende der 50er rangierte der Lloyd an dritter Stelle der Zulassungsstatistik hinter VW und Opel.

Der Fiat Jagst war ein Italiener "made in Germany". Gebaut wurde er im Fiat-Werk Heilbronn, seinen Namen hatte er vom Fluss Jagst in Nordwürttemberg.

Eigentlich handelte es sich dabei um den Fiat 600, später den Fiat 770, nur eben in Deutschland gebaut. Seine Länge: 3,29 Meter. Insgesamt gab es rund 178.000 Fiats 600 aus deutscher Fertigung.

Ein wahrhaft majestätisches Gefühl war es, in einem NSU Prinz zu fahren. Zwischen 1958 und 1973 lief das Automodell mit seinen verschiedenen Varianten in Neckarsulm vom Band. Hier zu sehen: ein NSU Prinz 2, Baujahr 1959, Länge: 3,15 Meter.

Der NSU Prinz gehörte zu den meistverkauften Kleinwagen der Nachkriegszeit. Dabei stieg die Neckarsulmer Fahrzeugfabrik (NSU) nur ins Kleinwagengeschäft ein, weil die Absätze bei den Zweirädern rückgängig waren. Und noch heute hat der "Kleine" viele Fans - je originaler sein Zustand, umso besser.

Klein, preiswert, sparsam - für viele ist der Mini der Inbegriff des Kleinwagens. Viel Auto auf wenig Grundfläche ist das Konzept. Bei dem kleinen Grünen hier handelt es sich um einen Innocenti Mini, der in den 70ern in Lizenz in Italien gebaut wurde. Er basierte technisch auf dem Original, hatte aber eine eigenständige Karosserie und war eine Handbreit länger.

Das Goggomobil ist ein Bayer. Wie sein Erfinder, der Landmaschinenfabrikant Hans Glas aus Dingolfing, der 1952 mit der Entwicklung eines Kleinwagens begann. Zwei Jahre später rollten die ersten Goggos vom Band, ein Jahr später ging es in Serienproduktion. Seinen Namen hat das Auto von Glas' Enkel, der auf den Spitznamen "Goggi" bzw. "Goggo" hörte.

Der Zweizylinder-Zweitaktmotor und das Vierganggetriebe waren im Kofferraum, das Gepäck musste vorne verstaut werden. Das Goggomobil hatte Platz für zwei Erwachsene und zwei Kinder, allerdings ging es dabei bei 2,90 Meter Länge für heutige Verhältnisse beengt zu. Weil er aber billig in der Anschaffung war und als äußerst zuverlässig galt, war er einer der erfolgreichsten Kleinstwagen der Nachkriegszeit.

Und für alle, die es etwas sportlicher haben wollten, gab es auch ein schickes Goggo-Coupé.

Ebenfalls sehr sportlich und mit 2,89 Meter nur einen Zentimeter kleiner als das Goggomobil kommt der Kleinschnittger F125 daher. Statt Stahl verwendete Erbauer Paul Kleinschnittger Aluminium, auf Türen verzichtete er, das Notdach war aus Stoff. Und auch einen Rückwärtsgang gab es nicht: Zum Wenden konnte man das Leichtgewicht - es wog nur 170 Kilogramm - einfach anheben.

Der Kleinschnittger hatte einen Einzylinder-Zweitaktmotor, auf die Batterie wurde verzichtet. Stattdessen startete man das Auto ähnlich einem Rasenmäher mit einem Seilzug. Sechs PS reichten aus, um ihn auf eine Höchstgeschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde zu beschleunigen.

Das kleine Cabrio verkaufte sich gut. Aber mit dem Wirtschaftswunder stiegen die Ansprüche. Die Deutschen wollten mehr Auto und bekamen es bei Lloyd, Isetta oder Goggo. Der schnittige Kleine wirkte vielen schon zu ärmlich. 1957 ging Kleinschnittger pleite. Liebhaber des Autos aber machen heute noch gerne eine Spritztour mit dem "Volkswagen aus dem Sauerland".

Wo ist hier vorne, wo hinten? Das kann man sich beim Zündapp Janus schon fragen. Man saß Rücken an Rücken und jeder hatte seine eigene Tür - an Front und Heck. Immerhin saß so jeder in gewisser Weise in der ersten Reihe. Entwickelt wurde der Kleinwagen nach dem Ende des 2. Weltkrieges vom Flugzeughersteller Dornier in Friedrichshafen. Gebaut wurde er von Zündapp in Nürnberg.

Weltweit existieren heute noch geschätzt 350 Autos. Mit gerade einmal 14 PS aus einem 250er-Zündapp-Motorrad-Motor war das Auto etwas zu schwach und teuer war es dazu. Trotz guter Fahreigenschaften war 1958 nach nicht einmal zwei Jahren Bauzeit schon wieder Schluss. Insgesamt wurden rund 7.000 Exemplare hergestellt. Das macht ihn so wertvoll: Gut gepflegte Exemplare kosten heute um die 30.000 Euro.

Ein Champion CH-2, 2,60 Meter, 6 PS. Das Cabrio ist extrem selten: Nur noch zwei Stück gibt es weltweit. Enwickelt wurde der Wagen von der Zahnradfabrik ZF aus Friedrichshafen. Die wollte das Fahrzeug aber nicht herstellen und so ergatterte Rennfahrer Hermann Holbein aus Ulm die Lizenz. Von 1949 bis 1950 baute er das Auto in Kleinserie.

2,55 Meter lang ist die Heinkel Kabine, eine Art Roller mit Dach und drei Rädern. Von 1956 bis 1957 wurde sie von der Ernst Heinkel AG in Stuttgart-Zuffenhausen gebaut. Es war das erste Auto, in das ein Rollermotor gebaut wurde. Entsprechend laut war es im Innenraum. Im Auto war Platz für zwei Erwachsene und zwei Kinder. Und angeblich war beim schwäbischen Heinkel vieles besser als beim bayerischen BMW-Rivalen, der Isetta - allen voran die Federung.

Die bayerische Konkurrenz zum Heinkel Kabinenroller: die BMW Isetta mit einer Länge von 2,29 Metern. In den 50er und 60er Jahren war das Auto Kult. Mehr als 160.000 Mal wurde es gebaut. Zwei Erwachsene finden heute bequem darin Platz, früher aber quetschte man bei Bedarf auch noch zwei Kinder mit rein.

Die Isetta wurde 1953 vom italienischen Motorrad- und Kühlschrankhersteller ISO erfunden. Bei der Fronttür ist die Ähnlichkeit zu dem Kühlgerät nicht zu verleugnen. Kurz darauf kaufte BMW die Lizenz, änderte einige Kleinigkeiten und landete einen Verkaufshit. 2.580 Mark kostet das 2,29-Meter-Auto damals. Kaum ein anderes langstrecken-taugliches Vehikel war zu der Zeit in dieser Preisklasse zu bekommen.

Es geht aber noch eine Nummer kleiner: Mit 1,37 Metern ist der Peel P50 das kleinste in Serie gebaute Auto der Welt. Im Innenraum war Platz für ein Lenkrad, ein Sitz und einen Fahrer. Die Engländer - genauer gesagt - die Peel Engineering Company auf der Isle of Man - bauten das Leichtfahrzeug Anfang der 60er Jahre. Allerdings ohne großen Erfolg: Nur 120 Stück vom Ur-Peel wurden gebaut. Seit 2011 wird das Auto neu aufgelegt. Neu sind die Blinker, der Rückwärtsgang und die Motorisierung. Das Design aber ist das gleiche.

Der Aufstieg des Autos

Nach dem 2. Weltkrieg war die Autoproduktion in Deutschland sehr schleppend angelaufen. Die Produktionshallen waren zum großen Teil zerstört, es fehlte an Rohstoffen, Arbeitern, Benzin und natürlich an Geld. Erste Autos - meist Vorkriegsmodelle - wurden zwar wieder produziert, allerdings in kleiner Stückzahl. Die Währungsreform 1948 und der Marshall-Plan brachten die deutsche Wirtschaft - und die Autoindustrie - allmählich wieder in Schwung. 1949 rollte der 50.000ste VW-Käfer vom Band, vier Jahre später feierte man die halbe Million. Insgesamt waren in der BRD 1953 schon wieder eine Million Personenkraftwagen gemeldet.

Die Kleinwagenwelle

Zündapp Janus

Zündapp Janus

Doch bei den meisten Menschen war das Geld knapp, zwei statt vier Räder waren die Normalität. Die Leute aber träumten vom Auto, von einem "Dach über dem Kopf" - auch beim Fahren. Da kamen die günstigen Klein- und Kleinstwagen gerade recht, die in Deutschland in den 50er Jahren entwickelt wurden.

Wie der BMW-Verkaufsschlager Isetta: Er hatte einen 250 bzw. 300 Kubikzentimeter Motorrad-Motor und fuhr 85 Kilometer pro Stunde. Für 2.580 Mark war das Auto zu haben. 3.390 kostete der Zündapp Janus. Das Besondere an ihm: Die Passagiere saßen Rücken an Rücken, zwischen den Sitzen lag der Mittelmotor. Gerne demonstrierte man die Geräumigkeit des kleinen Autos. Der Heinkel-Kabinenroller, ein Winzling von 2,55 Metern, bot immerhin Platz für drei - notfalls auch vier - Personen.

Kleine Autos, große Namen

Auto - Goggomobil

Goggomobil

Besonders erfolgreich war das Goggomobil, das sogar in die USA exportiert wurde. Dabei ist es mit seinen 2,90 Metern ziemlich genau halb so groß wie ein Cadillac. Aber die solide Bauweise, der zuverlässige Zweitakt-Motor und der günstige Preis überzeugten die Käufer.

Ebenfalls ein großer Name unter den kleinen Autos: der NSU Prinz, der bis 1973 in verschiedenen Varianten gebaut wurde.

Die meisten Klein- und Kleinstwagen aber verschwanden in den 60er Jahren von der Bildfläche. Viele der Firmen gingen Pleite. Die Deutschen hatten mehr Geld, sie wollten größere Autos mit mehr Komfort. Einige Exemplare aber haben sich bis heute gehalten. Und die werden von ihren Besitzern mit viel Liebe gehegt und gepflegt.