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Taucher auf dem Grund des Bodensee am Wrack des Raddampfers "Jura".

SENDETERMIN Do, 17.8.2017 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen BW

Die Schiffswracks vom Bodensee Geheimnisse der Tiefe

Der Bodensee birgt viele Geheimnisse: Auf seinem Grund liegen hunderte untergegangene Schiffe aus allen Epochen. Jedes kann eine Geschichte erzählen: von früherer Technik und seinem Untergang. Nicht nur Hobbytaucher sind an den Wracks interessiert, sondern auch Archäologen.

Aufregung am Ufer von Langenargen: Forschungstaucher untersuchen die Reste eines historischen Schiffswracks. Der Archäologe Martin Mainberger vermutet Merkmale, die sich von anderen Schiffen am Bodensee unterscheiden. Und das hier im "Schwäbischen Meer"? Der Bodensee hat seine Tücken. Einerseits ist er harmlos, andererseits bergen plötzlich auftretende Winde, dichter Nebel und die große Zahl an Schiffen auf dem See Gefahren.

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Archäologie unter Wasser

Schiffswracks im Bodensee

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Das "Schwäbische Meer"
Der Bodensee an einem Sonnentag. Wegen des milden Klimas ist das "Schwäbische Meer" ein beliebtes Ausflugsziel. Doch nicht immer ist der See so idyllisch. Plötzlich hereinbrechende Fön-Winde verwandeln die harmlos wirkende Oberfläche in ein Gebirge aus Wellen, dichter Nebel birgt Gefahren. Auch heute kentern immer wieder Schiffe. In den vergangenen Jahrhunderten gab es zahlreiche Unglücke. Auf dem Seeboden ruhen nach Schätzungen noch hunderte Schiffswracks.

Das "Schwäbische Meer"
Der Bodensee an einem Sonnentag. Wegen des milden Klimas ist das "Schwäbische Meer" ein beliebtes Ausflugsziel. Doch nicht immer ist der See so idyllisch. Plötzlich hereinbrechende Fön-Winde verwandeln die harmlos wirkende Oberfläche in ein Gebirge aus Wellen, dichter Nebel birgt Gefahren. Auch heute kentern immer wieder Schiffe. In den vergangenen Jahrhunderten gab es zahlreiche Unglücke. Auf dem Seeboden ruhen nach Schätzungen noch hunderte Schiffswracks.

Spektakulärer Fund
Mit den zunehmenden technischen Möglichkeiten wird immer wieder einer dieser "Schätze" gefunden. In der vergangenen Woche entdeckte ein Forscherteam ein Schiffswrack in 200 m Tiefe. Die Wissenschaftler vermessen und kartieren im Projekt "Tiefenschärfe" den Grund des Sees. Ein dabei eingesetzter Tauchroboter sendete Sonarbilder eines rund 60 m langen und 10 m breiten Wracks.

Die "Helvetia"
Das gefundene Wrack sind die Überreste der "Helvetia", eines ehemaligen Passagierschiffes der Schweizer Bodenseeflotte aus den dreißiger Jahren. Der Dampfer wurde nach 45 Betriebsjahren außer Dienst gestellt. Da die Preise für Altmetall damals sehr schlecht waren, lohnte sich eine Verschrottung alter Schiffe nicht mehr. Am 27. Oktober 1933 versenkten die Schweizer den Raddampfer deshalb ohne Maschinen, Kessel und Aufbauten in der Seemitte.

Die Zeit der langen Kamine
Es finden sich auch ältere Wracks im Bodensee. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts verkehrte auf dem See die größte Binnenseeflotte Europas. Die mit Holz, Kohle oder Erdöl befeuerten Raddampfer transportierten zunächst vorwiegend Güter, dann zunehmend auch Personen von der einen zur anderen Seite des Sees. Weithin sichtbar waren bei klarem Wetter die hohen dampfenden Kamine der Schiffe.

Das Teufelsschiff
Dabei kam es immer wieder auch zu Kollisionen in deren Folge Schiffe im See versanken. Die "Stadt Zürich" der "Schweizerischen Nordostbahnen" brachte es während ihrer Einsatzzeit auf insgesamt drei Kollisionen. 1861 rammte der Dampfer den bayrischen Kursdampfer "Ludwig I", der daraufhin sank. Die "Stadt Zürich" wurde schwer beschädigt, blieb aber schwimmfähig – und nach Reparaturen weiterhin im Einsatz.

Die "Titanic des Bodensees"
Drei Jahre später war die "Stadt Zürich" wieder an einem Zusammenstoß beteiligt. Am 12. Februar 1864 lag dichter Nebel über dem Bodensee. Der bayrische Raddampfer "Jura" war auf Kursfahrt nach Lindau. Immer wieder läutete die Schiffsglocke. Doch an Bord der "Stadt Zürich" hörte man das Läuten nicht. Das Schweizer Schiff rammte die "Jura". Deren Passagiere konnten sich auf das andere Schiff retten. Ein Matrose starb während der Kollision. Die "Jura" versank im See. Das Wrack liegt seither in der Tiefe des Sees.

Museum unter Wasser
Über 100 Jahre später entdeckte der Sporttaucher Hans Gerber das Wrack der "Jura". Nach jahrelanger Suche war er in 40 m Tiefe auf die Überreste des Schiffes gestoßen. Wracks aus dem See zu bergen und zu konservieren ist teuer. Der Tauchclub Konstanz machte daraus ein "Museum Unterwasser" mit Hinweistafeln. Trockenen Fußes ist dieses Museum nicht begehbar... hat aber 24 Stunden am Tag geöffnet.

Hobbytaucher und Geologen auf "Schatzsuche"

Die meisten der gesunkenen Schiffe sind zerfallen oder von Sedimenten verschüttet. Eine Versuchung für Sporttaucher wie Hans Gerber. Der inzwischen 78-jährige fand 1976 in vierzig Metern Tiefe die "Jura" – ein gut erhaltener Raddampfer aus dem 19. Jahrhundert, der nach einer Kollission im Nebel sank. Auch Martin Wessels stößt mit seinem Team immer wieder auf bislang unbekannte Wracks. Der Geologe vom Seenforschungsinstitut in Langenargen vermisst mit einem hoch auflösenden Fächer-Echolot den Grund des Sees neu.

Der Sporttaucher Hans Gerber vor dem Raddampfer "Jura". Er hat das Wrack 1976 im Bodensee entdeckt, das 1864 nach einer Kollision gesunken war.

Der Sporttaucher Hans Gerber vor dem Raddampfer "Jura". Er hat das Wrack 1976 im Bodensee entdeckt, das 1864 nach einer Kollision gesunken war.

Römisches Wrack auf dem Seegrund?

Der Traum der Wissenschaftler wäre es, ein römisches Wrack zu entdecken. Die Siedler der steinzeitlichen Pfahlbauten benutzten noch Einbäume, später prägten Lädinen den See, Ende des 19. Jahrhunderts begann die Ära der Dampfschiffe. Die "Hohentwiel" ist heute noch ein modernes Museumsstück dieser Zeit. Die Geschichte der Schifffahrt des Bodensees ist also über und unter dem Wasser zu erleben. Wer weiß, welche Geheimnisse der See irgendwann noch preisgibt.


Ein Film von Christopher Paul, Internetfassung: Lydia Egger

Sendung vom

Do, 17.8.2017 | 20:15 Uhr

SWR Fernsehen BW

Ein Taucher unter Wasser, der an einem Wrack vorbei schwimmt und mit einer Lampe in den Seegrund leuchtet.

Ausstellung im Seemuseum in Kreuzlingen

"Geschichten vom Seegrund"

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