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SENDETERMIN So, 12.10.2014 | 21:00 Uhr | SWR Fernsehen

Fußballfieber Mainz 05 und seine Geschichte

Heute gehört der 1. FSV Mainz 05 zu Mainz wie der Dom oder die "Meenzer Fassenacht". Aber es hat fast 100 Jahre gedauert, bis der Verein in der Stadt angekommen ist und aus Mainz eine Fußballstadt geworden ist, die ihre Mannschaft feiert und mit ihr leidet.

Eine späte, aber heftige Liebe

Eine Handvoll junger Fußballbegeisterter hat den Verein 1905 gegründet, aber über Jahrzehnte hinweg hat sich kaum jemand für ihn interessiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg stehen die Null-Fünfer sportlich im Schatten der legendären Walter-Elf aus Kaiserslautern. Auch als 1963 die Bundesliga eingeführt wird, spielen die "Lauterer" von Anfang an mit – Mainz nicht.

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Mehr als nur ein Karnevalsverein

Der lange Weg von Mainz 05

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Eugen Salomon war 1905 einer der Mitbegründer des Vereins und wurde mit 17 Jahren zum ersten Vorsitzenden gewählt. Lange nimmt die Stadt kaum Notiz von dem Verein.

Eugen Salomon war 1905 einer der Mitbegründer des Vereins und wurde mit 17 Jahren zum ersten Vorsitzenden gewählt. Lange nimmt die Stadt kaum Notiz von dem Verein.

Noch in den 1960er Jahren sind die Spiele im Stadion am Bruchweg meistens schlecht besucht. Sportliche Höhepunkte sind selten.

Nach zwei überraschenden Siegen der 05er gegen Bundesligisten im DFB-Pokal 1965 feiert man auch auf der Mainzer Fastnacht den Verein. Danach verschwindet der Verein wieder für viele Jahre aus dem öffentlichen Bewusstsein.

Von 1976 bis 1988 spielt der 1. FSV Mainz 05 in der Amateurliga Südwest, nachdem er 1976 seine Lizenz für die Zweite Bundesliga aus finanziellen Gründen zurückgegeben hat. Am letzten Spieltag der Saison 1987/88 gelingt dem Verein der Wiederaufstieg in die Zweite Bundesliga.

Seit 1988 ist der Rechtsanwalt Harald Strutz Präsident der 05er. Schon im ersten Jahr seiner Präsidentschaft steigt der Verein wieder ab. Doch nach dem Wiederaufstieg im kommenden Jahr etablieren sich die Mainzer dauerhaft im Profifußball. Wenn auch über viele Jahre "nur" in der Zweiten Bundesliga.

Er wird zum Liebling des Mainzer Publikums: Zwischen 1990 und 2001 spielt Jürgen Klopp 325 Mal im Trikot der Mainzer Mannschaft.

2001 wird "Kloppo" vom Spieler zum Trainer des Vereins. Er arbeitet erfolgreich und will mit seiner Mannschaft in die Erste Bundesliga. Doch am Ende der Saison 2001/2002 scheitern sie ganz knapp.

Nachdem Mainz 05 auch im folgenden Jahr den Aufstieg nicht geschafft hat, lässt Präsident Harald Strutz am 25. Mai 2003 seinen Tränen freien Lauf.

Nach den knapp gescheiterten Anläufen feiert Mainz am 24. Mai 2004 den Aufstieg in die Erste Bundesliga. Drei Jahre lang hält sich der Verein in der obersten Spielklasse.

Nachdem 2008 der Wiederaufstieg in die Erste Bundesliga nicht gelingt, verabschiedet sich Jürgen Klopp in einer bewegenden Feier von seinen Mainzer Anhängern. Ein Jahr nach seinem Weggang schaffen die 05er den Wiederaufstieg.

Die "Boy Band" rund um Lewis Holtby, Ádám Szalai und André Schürrle rockt 2010 die Liga - und begeistert das Mainzer Publikum.

Zur Einweihung der neuen "Coface Arena" am 3. Juli 2011 kommt auch der bekennende Fußball-Fan Karl Kardinal Lehmann und überbringt unter donnerndem Applaus die Glückwünsche der katholischen und der evangelischen Kirche. Die Straße zum Stadion wird nach dem Gründer Eugen Salomon benannt.

Im Beisein von Anhängern von Mainz 05 wird am 125. Geburtstag von Eugen Salomon im Jahr 2003 ein Stolperstein für den jüdischen Vereinsgründer verlegt. Salomon wurde von den Nationalsozialisten in Auschwitz ermordet.

Am Ende der Saison 2013/14 erreicht Mainz 05 die Teilnahme an der Qualifikation der UEFA Europa League.

Überraschungserfolge und sportliches Mittelmaß

Erst als im Jahr 1965 der Verein die Bundesligisten Werder Bremen und 1860 München im DFB-Pokal besiegt, nehmen die Mainzer zum ersten Mal Notiz von dem Verein. Als "Pokalschreck" wird er auf der Mainzer Fastnacht gefeiert. Auch danach gibt es einige sportliche Überraschungs-Siege, aber der große Durchbruch gelingt nicht. Und immer wieder gerät der Verein in finanzielle Schwierigkeiten. Mainz 05 ist der erste Verein, der aus ökonomischen Gründen im Profi-Fußball nicht mehr mithalten kann und 1976 seine Lizenz für die Zweite Liga freiwillig abgibt. In den 1990er Jahren sind die 05er zwar wieder in der Zweiten Liga, verkörpern aber neben Meppen die Provinzialität der Liga. "Ihr seid nur ein Karnevalsverein" höhnen die Fans anderer Vereine.

Jürgen Klopp – der "Vater" des Erfolgs

Ausgerechnet am Rosenmontag 2001 wird alles anders. Jürgen Klopp, seit 1990 Spieler beim Verein, wird zum Trainer ernannt. Er versteht es, die Spieler - aber auch die Mainzer Bevölkerung - für "ihren" Verein zu mobilisieren. Als in einer dramatischen Aufholjagd an den kommenden elf Spieltagen der Abstieg verhindert wird, wird er zum Volkshelden.

Ganz Mainz träumt jetzt von der Bundesliga. Doch der Weg dorthin ist lang und steinig. Zwei Mal in Folge scheitern die 05er ganz knapp. Die Mainzer Fans trauern, aber sie halten zu ihrem Verein. Und dann klappt es doch noch: 2004 steigt Mainz in die Erste Bundesliga auf. Jetzt fließen Freudentränen. Aus dem Trauma ist ein Traum geworden, die Presse schreibt vom "Aufsteiger der Herzen". Auch wenn der sportliche Erfolg in den Jahren danach oft wechselt, so ist der Verein heute nicht mehr aus Mainz wegzudenken.

Rückbesinnung auf die Wurzeln

Erst spät – im 21. Jahrhundert - besinnt man sich in Mainz auf die Gründer des Vereins. Vor allem auf Eugen Salomon, der den Verein mit aus der Taufe hob und lange Vorsitzender war . Bis ihn, weil er Jude war, die Nationalsozialisten erst in die Flucht trieben und dann in Auschwitz ermordeten. Heute ist die Straße, die zum Stadion führt, nach ihm benannt.