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Anhänger des Fußball-Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern schwenken am 22.09.2012 vor dem Spiel gegen Hertha BSC ihre Fahnen.

SENDETERMIN So, 30.7.2017 | 10:45 Uhr | SWR Fernsehen

Fußballfieber Der 1. FC Kaiserslautern und seine Geschichte

Der 1. FCK: mal auf der großen internationalen Fußballbühne und mal in den Niederungen der zweiten Bundesliga. Aber immer voller Leidenschaft auf dem legendären Betzenberg.

3:46 min | So, 30.7.2017 | 10:45 Uhr | SWR Fernsehen

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Empfang für Fritz Walter an seinem 50. Geburtstag

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Fritz Walter – die Identifikationsfigur

Ob der Verein im Jahr 1900 gegründet wurde oder bereits ein Jahr zuvor, ist nicht ganz klar. Aber bekannt gemacht hat ihn sein berühmtester Spieler. Und bis heute ist das Stadion auf dem Betzenberg nach ihm benannt: Fritz Walter. Er ist nach dem Zweiten Weltkrieg zugleich Kapitän der "Lauterer" und der westdeutschen Nationalmannschaft. Ihm und seiner Auswahl gelingt 1954 die Sensation: "Aus, aus aus! Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister!" jubelt der Reporter nach Abpfiff des Endspiels gegen Ungarn im Berner Wankdorf-Stadion. Besonders groß aber ist der Jubel in der Pfalz, denn fünf Spieler der Meisterschaftself kommen vom 1. FCK. Der Verein wird zum Aushängeschild, nicht nur für die Stadt Kaiserslautern, sondern auch für das neue Bundesland Rheinland-Pfalz. Mit dem WM-Erfolg und den weiteren Siegen des 1. FCK stellt sich zum ersten Mal so etwas wie ein "Wir-Gefühl" unter den Rheinland-Pfälzern ein. Die ganze Region identifiziert sich mit "ihrem" FCK.

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Die Legende lebt

Der 1. FC Kaiserslautern und seine große Tradition

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1920 findet das erste Spiel auf dem Betzenberg statt. Noch ist es ein Sandplatz, erst ab 1926 wird auf Rasen gespielt.

1920 findet das erste Spiel auf dem Betzenberg statt. Noch ist es ein Sandplatz, erst ab 1926 wird auf Rasen gespielt.

Fritz Walter spielt schon mit sieben Jahren für den 1. FCK und wird als 17-Jähriger in die A-Mannschaft aufgenommen.

Fritz Walter (rechts) ist für Trainer Sepp Herberger der zentrale Spieler der deutschen Nationalmannschaft.

Fritz Walter wird nach dem WM-Sieg gegen Ungarn am 4. Juli 1954 begeistert gefeiert. Insgesamt gehören der Nationalmannschaft fünf Spieler aus Kaiserslautern an.

Am Ende der Saison 1962/63 wird der 1. FCK letzter Meister der Oberliga Südwest. Damit schafft der Verein die Aufnahme in die neu gegründete Bundesliga.

An seinem 50. Geburtstag im Jahr 1970 wird Fritz Walter von der Stadt und seinem Verein mit einer großen Feier geehrt.

Stefan Kuntz kommt 1989 als Spieler zum 1. FCK und wird mit dem Verein 1990 Pokalsieger und 1991 Deutscher Meister. Von 2008 bis 2016 ist er Vorstandsvorsitzender des Fußballklubs. Seit August 2016 trainiert er die U-21-Nationalmannschaft.

Seit der Gründung der Bundesliga 1963 hat der 1. FCK stets in der ersten Spielklasse gespielt – bis zum 18. Mai 1996. An diesem Tag müssen die Pfälzer den bitteren Abstieg in die Zweite Bundesliga hinnehmen. Doch schon ein Jahr später sind sie wieder erstklassig.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck feiert am 2. Mai 1998 im Stadion eine Sensation: Obwohl er erst Anfang der Saison wieder in die Bundesliga aufgerückt ist, gewinnt der 1. FCK den Meistertitel - zum vierten Mal in seiner Geschichte. Nie zuvor und nie danach hat ein Aufsteiger einen solchen Durchmarsch geschafft.

Von 1999 bis 2004 spielt Miroslav Klose für den Verein - zunächst bei den Amateuren, aber bald schon bei den Profis. Er ist ein wichtiger Leistungsträger und erzielt insgesamt 44 Tore für die Pfälzer.

Noch Jahrzehnte nach der Weltmeisterschaft im Jahr 1954 wird Fritz Walter - der ehemalige Kapitän der "Lauterer" - von den Fans verehrt.

In der turbulenten Saison 2016/17 droht den Roten Teufeln der Absturz in die Dritte Liga. Am letzten Spieltag hätte der 1. FCK noch auf den Relegationsplatz 16 abrutschen können. Ein Sieg gegen Nürnberg rettet den Klassenerhalt.

Die Fans der Roten Teufel

Die Anhänger des 1. FCK kommen anders als bei Großstadtvereinen aus der gesamten Region, das Einzugsgebiet ist groß. Und so entsteht 1969 der erste offizielle Fanclub nicht in Kaiserslautern, sondern in Nomborn im Westerwald. Schon früh gelten die "Lautern"-Fans als die ruppigsten und lautesten, aber auch als die treuesten der Liga. Immer wieder verwandeln sie das Stadion am Betzenberg in einen Hexenkessel und lehren die Gegner das Fürchten. "Der Betze brennt", heißt es dann und selbst die renommiertesten Mannschaften wie Real Madrid oder Bayern München haben vor dem Druck der Zuschauerränge kapituliert und sind dort untergegangen.

Wolfgang Misamer

Seit seiner Geburt ist Wolfgang Misamer FCK-Mitglied - hier posiert er im FCK-Museum neben den Helden von Bern.

Zwischen großen Erfolgen und Abstiegsängsten

Die 1950er Jahre sind in der Pfalz die "goldenen" Fußball-Jahre: Zweimal gewinnt die "Walter-Elf" die Meisterschale. In der Bundesliga ist "der Betze" von Anfang an dabei, kämpft stets erfolgreich gegen den Abstieg. Niemand kann sich damals vorstellen, dass der 1. FCK tatsächlich einmal in die Zweite Liga absteigen könnte. Die Fans unterstützen ihren Verein auch in schlechten Zeiten. Und bei finanziellen Problemen mit dem vereinseigenen Stadion hilft immer wieder die öffentliche Hand aus. So kann sich der 1. FCK bis in die 1990er Jahre in der Ersten Bundesliga halten.

Ein Abstieg und ein anschließendes Fußballmärchen

Am Ende der Saison 1995/96 kommt der Abstieg überraschend. Dass der FCK eine Woche später den DFB-Pokal gewinnt, ist nicht mehr als ein Trostpflaster für die verwundete Pfälzer Fußballerseele. Doch das Ende der Zeit in der Erstklassigkeit ist auch der Beginn einer wunderbaren Fußballgeschichte: Schon im folgenden Jahr steigen die Pfälzer unter ihrem neuen Trainer Otto Rehhagel wieder auf und werden dann auch gleich noch Meister! Das ist einmalig in der Geschichte der Bundesliga, die Pfalz befindet sich im Freudentaumel. Wieder einmal hat der Verein bewiesen, dass Pfälzer (fast) alles schaffen können, wenn sie zusammenhalten und kämpfen. Heute, nach vielen Jahren in der Zweiten Bundesliga, stehen die Verantwortlichen des Vereins vor dem Problem, die Ansprüche aus großer Vergangenheit mit den Realitäten einer völlig verwandelten Fußballszene zu vereinbaren.